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Im deutschen Reich · 1896-01-01 · Heft 1 (Januar 1896) · p. 58

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 1 (Januar 1896)
Article
Berlin
Date
1896-01-01
Page
58 (sequence 3)
Language
German
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58 3m deutschen Reich. überdauert und die blutigsten Kämpfe überwunden, und wir wissen, daß die Lösung unserer Aufgabe Jahrtausende bedarf. Ja, noch mehr aus unserm Weltberufe haben wir seit jeher die sittliche Kraft genommen, den eigenen, vergänglichen Vortheil unterzuordnen und unsere Propheten sind uns vorangegangen mit dem edlen Beispiele, die Sünden und Prüfungen der Gegenwart nicht zu achten im Hinblick auf die verheißungsvollen Ideale der Zukunft!" — Wenn die „Tägl. Rundschau" diese den Tendenzen unseres Vereins so ganz entsprechenden Ausführungen zu gehässigen Glossen benutzt, beweist dies nur, wie recht der Dichter Badenstedt hatte, als er bei Begründung der „Tägl. Rundschau" die prophetischen Worte niedcrschrieb: „L'ie Politik verdirbt den Charakter!" X Spandau, 17. Januar. Vor dem hiesigen Schöffengericht hatte sich gestern der hiesige, als konservativ-antisemitischer Agitator bekannte Mechaniker Bluhm wegen Unterschlagung zu verantworten. Bluhm, der lange Jahre im königlichen Feuerwerks-Laboratorium beschäftigt war, hatte gegen 600 Mark veruntreut, die er als Vertrauensmann seiner Arbeitskollegen für Kohlenlieserungen an dieselben vereinnahmt, aber für sich verwendet hatte. Seine mißliche, wirthschaftliche Lage erklärte er damit, daß er anfühne, seine Agitation für den konservativen Reichs¬ und Landtagsabgeordneten Schall in Cladow habe sehr viel Geld gekostet. Bluhm wurde zu drei Monaten Gefcmgniß verurtheilt. <f Magdeburg, 19. Januar. Auf Veranlassung der hiesigen Spnagogengemeinde fand gestern in der hiesigen Synagoge ein Festgottesdienst statt. Bei demselben hielt derselbe Rabbiner die Festrede, der am 27. Juli 1670 die Buß- und Bettagspredigt („Der heilige Krieg", die in zwei Auflagen „zu Gunsten der bedürftigen Angehörigen unserer VaterlandSvertheidiger" erschienen ist und für die er von der Hochseligen Kaiserin Augusta allerhöchsten Dank ausgesprochen erhielt) und im folgenden Jahre die Friedenspredigt gehalten hat. A Breslau, 20. Januar. Die„Schles.Ztg."schrieb vorKurzem: „Eine besonders große Erregung har die zur Erweiterung der Breslauer Rieselfelder vom Magistrat für notbwendig gehaltene Erwerbung des Pringsheimschen Rittergutes Weidenhof hervorgerusen. Da sich die Stadtverordneten- Versammlung schließlich in Folge der nachträglichen, ausführlichen Mittheilungen des Magistrats mit Zweidrittelmehrheit für den Ankauf entschieden hat und dieser inzwischen perfekt geworden ist, so soll auf die leidige Affaire nicht weiter eingegangen werden. Daß dieselbe in weiten Kreisen den Eindruck eines neuen Beweises der Solidarität jüdisch-freisinniger Interessen hinterlassen hat, ist zweifellos." Darauf hin hat der hiesige Magistrat gegen die „Schlesische Ztg." Strafantrag gestellt. Herr Oberbürgermeister Bender erklärte in öffentlicher Sitzung: „Es ist dies

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