Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Der Uebertritt ein Unglück
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 35 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 100% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316613-2318017--00658-2318111- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Uebertritt ein Unglück. änderung Hervorrufen konnte, für alle Zeiten das bleiben, was sie jetzt sind. Sie sind ein unvergleichliches Muster, das der menschliche Geist missen würde, und dieses Verschwinden des jüdischen Glaubens wäre gerade heute um so trauriger, als die Gottesidee, zum Mindesten vorübergehend in sehr vielen Geistern, die sich für aufgeklärt und gelehrt dünken, bis zum Verschwinden abgeschwächt ist. Das menschliche Gewissen bedarf des ewig lebendigen Protestes Israels und der unerschütterlichen Stütze, die es dort gegen seine eigenen Schwächen und gegen die Zweifel findet, welche das Christenthum bedrohen. Ich glaube im Namen der Philosophie diese meine Anschauung Ihnen gegenüber zum Ausdrucke bringen zu dürfen — eine Anschauung übrigens, die keineswegs neu ist und die ich schon mehr als einmal öffentlich ausgesprochen habe. Was die gegenwärtigen Verfolgungen betrifft, so mögen sie die Juden mit demselben Muthe ertragen, mit dem sie schon so viele, nicht minder grausame, ertragen haben. Diese schändlichen Barbareien werden vergehen und es wird ein Tag kommen, an welchem die Israeliten überall das sein werden, was sie in Frankreich bereits jetzt sind: Bürger, wie alle Anderen, und wo sie mit ihren Mitbürgern leben werden, wie die Katholiken und Protestanten unter einander leben, unter gemeinsamen Gesetzen, die sie trotz der religiösen Differenzen in gleicher Weise schützen werden. Ich beglückwünsche Sie recht aufrichtig zu Ihrem Werke, das ich in's Französische übersetzt wissen möchte. Genehmigen Sie. -i- -i- * 3’