Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Wissenschaftlicher Antisemitismus
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 19 (sequence 19)
- Language
- German
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wissenschaftlicher Antisemitismus. 19 zum heutigen scheinen die Völker der Erde sich zu einen, um die in alle Welt Zerstreuten zu unterdrücken und zu vernichten. Wehrlos, ohne inneren, ohne äußeren Zusammenhang, ohne beschützende Freunde, ohne Führer, die es leiten, weilt das Volk des Ewigen einsam und trauernd in der Mitte feindseliger Nationen, trägt das Joch, das die Väter auf sich geladen, hält an dem Bund, der für die Ewigkeit geschlossen. Nicht verschmilzt es mit den Bewohnern der Erde; es vereint sich nicht mit ihren Söhnen und Töchtern. Seit den Tagen, da Josua die Stämme seines Volkes über den Jordan führte, fließt das Blut der Nachkommen Israels unvermischt von Geschlecht zu Geschlecht. Wer hätte zu Augustus, wer zu Vespasian's Zeiten vermuthet, daß noch nach zwei Jahrtausenden, da man Noms und seiner Imperatoren kaum noch gedenkt, die Verachteten und Verstoßenen aus Palästina zu mächtigen Faktoren im Leben hochzivilisirter Völker werden sollten? Und doch, — mit Ausnahme vielleicht der Zeiten, da die gennanischen Völker im Westen und Süden Europas neue Wohnsitze suchten, hört der Einfluß der Juden kaum auf. Unter den Merowingern nehmen sie Theil an den Kriegen Cylodwig'S; sie sind Handwerker und Ackerbauer in den Bergen der Auvergne, Grund- und Schiffsbesitzer in den Gefilden der Provence, reiche Kaufleute in Paris. Zur Zeit Karl's des Großen errichten sie Lehranstalten in Narbonne und Mainz; begünstigt von diesem großen Herrscher und von Ludwig dem Frommen und seiner Frau liegen sie dem Studium des Talmuds und der Medizin ob. Tie Großen des Landes, die Könige und Kaiser, ein Theil der Päpste vertrauen die Pflege und Gesundheit ihres Körpers jüdischen Acrzten an. Wie die stammverwandten Phönicier einst die Kultur Babylons und Egyptens nach den Gestaden der griechischen Inseln brachten, so verbreiteten die Juden die klassische Bildung und den wissenschaftlichen Geist Griechenlands und Arabiens nach den halb barbarischen Ländern Europas. Sie führen in Italien gegen Ende des zwölften Jahrhunderts das Wechselrecht ein, eine Einrichtung, die zur Entwickelung des Handels, des internationalen Verkehrs 2'