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Im deutschen Reich · 1895-12-01 · Heft 6 (Dezember 1895) · p. 328

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 6 (Dezember 1895)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1895-12-01
Page
328 (sequence 13)
Language
German
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328 Im deutschen Reich. dämmende ungünstige Strömung. Die Kommission dürfe sich auch durch Erfahrungen, wie die wiederholten Freisprechungen Sedlatzek's, nicht entmuthigen lassen, sondern müsse auf dem bisherigen Wege fortschreiten. Jede Rechtssprechung sei wandelbar, auch das Reichsgericht habe schon sehr verschiedenartige Entscheidungen gefällt. Wenn die gesammten deutschen Juden treu zu dem Central-Verein stehen würden, könne der Sieg nicht ausbleiben. Auch Herr Rabbiner Dr. Rosenthal-Stargard betonte, wie die allgemeine Geistesströmung auf die Rechtssprechung ungünstig einwirkt. Man verkenne, daß jeder Angriff auf die jüdische Religion und auf das alte Testament die Grundlage des heutigen Staates untergrabe. Gegen diese Verkennung müsse mit den Waffen der Wissenschaft angekämpft werden. Auch die falschen Begriffe von dem Wesen und der Bedeutung des Talmuds, des Schulchan-Aruchs, sowie des gänzlich verkannten Kol-Ridre-Gebets, bedürften der wissenschaftlichen Widerlegung, nicht in akademischer, sondern in gemeinverständlicher Weise. Dann werde man auch hoffentlich günstigere richterliche Entscheidungen erzielen. Der Vorsitzende dankte dem Vorredner für diese Anregung und bemerkte, daß der Redaktion der Vereinszeitschrift derartige wissenschaftliche Beiträge jederzeit willkommen sein würden. Schließlich wies Herr Redakteur Klaußner darauf hin, wie so häufig in jenen Entscheidungen das Juristenrecht sich mit dem einfachen Laienverstand in Widerspruch setze. Es sei z. B. zu wünschen, daß die Analogie zwischen Gotteslästerung und Majestätsbeleidigung mehr als bisher Beachtung finden, überhaupt künftig die Urtheile weniger von Scharfsinn, als von objektiver Gerechtigkeit zeugen möchten. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen. Im Laufe des Monats Dezember fand nur eine Gruppenversammlung statt, diejenige der vereinigten Gruppen 8. und 80., welche im gothischen Saale des „Deutschen Hofs", Luckauerstraße 15, am 1H. Dezbr. dieses Jahres abgehalten wurde, bei welcher Gelegenheit Herr Journalist R. Wohlberg einen Vortrag hielt. Auf Beschluß der Rechtsschutz-Kommission ist seitens des Cenlral- Vereins gegen den Redakteur des „Deutschen General-Anzeiger", Karl Sedlatzek, welcher den Zwischenfall im Garam Kis-Sallo dazu benutzte, das sattsam bekannte Blutritualmärchen wieder aufzufrischen und in böswilligster Weise das vor einiger Zeit in der Potsdamerstraße in Berlin erfolgte spurlose Verschwinden eines Kindes damit in Verbindung zu bringen, Strafantrag gestellt worden. Wie Herr Sedlatzek im „General- Anzeiger" selbst mittheilt, hatte er deshalb bereits am 20. Dezember Termin am Alexanderplatz. Dieser Tage hatte sich Sedlatzek bereits wegen der in dem Artikel „Das 500jährige Hohenzollern-Jubiläum und die Alliance israelite" enthaltenen Majestäts beleidigung vor

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