Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1895)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1895-12-01
- Page
- 322 (sequence 7)
- Language
- German
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322 3m deutschen Reich. wendigkeit, die über die Ziele des Vereins noch in der Provinz vorhandene Unklarheit zu beseitigen, den Nutzen einer den Rechtsschutz sichernden Centralbehörde und einer nur guten Zwecken dienenden Solidarität in das hellste Licht zu stellen. Durch Herrn Dr. Curt Pariser, Mitglied des Vorstandes des Central-Vereins, wurde die Aufgabe des Vereins als eine doppelte hingestellt. Nach Innen gelte es strenge Selbstzucht zu üben, in dem Bewußtsein, daß, wie Stiefkinder stets doppelt artig sein müssen, um das Wohlwollen der Stiefeltern zu erlangen, dies auch für das Verhältniß der jüdischen Mitbürger zum Staate gelte; nach Außen müsse wieder und wieder verkündet werden, der Jude sei nicht besser und nicht schlechter wie jeder Andere. Nachdem der Redner durch zahlreiche Beispiele die erfolgreiche Thätigkeit des Central-Vereins beleuchtet hatte, erklärte Herr Rechtsanwalt Dr. Lewin-Stettin es als die Hauptsache, dem Verein recht viele Mitglieder zuzuführen, damit er recht bald in Wirklichkeit zum Organ der gesammten deutschen Judenheit werde. An der Aufgabe, die sich der Vorstand des Central-Vereins gestellt, wollen wir uns Alle betheiligen. Diesen Willen habe die Versammlung bereits allseitig so entschieden bekundet, daß es nicht einmal mehr der Annahme einer besonderen Resolution bedürfe. (Allseitige Zustimmung.') Praktische Erfolge werden nicht ausbleiben, wenn überall in lokalen Vereinigungen die Vereinszwecke vertreten und gefördert werden. Dem Central-Verein sprach hierauf Herr Rabbiner Dr. Baehr-Prenzlau in herzlichen Worten sowohl für die Berufung der Versammlung, wie für das ganze bisherige Wirken Dank aus. Es sei nichts Geringes, wenn jetzt Israeliten der verschiedensten Richtung zusammenstehen, um ihre Rechte und ihre Ehre zu wahren, daß jetzt überall, wo einzelne Juden wegen ihrer Religion oder wegen ihrer Abstammung angegriffen werden, der Central-Verein ihnen einen Rückhalt verschaffe. Für die Ziele einer solchen Vereinigung sollte in der Schule, auf der Kanzel und in der Gesellschaft eifrigst gewirkt werden. Herr Rabbiner Dr. Rosenthal-Pr.-Stargard wies darauf hin, daß seit dem schneidigen Auftreten des Vereins und durch seinen beharrlichen Kampf mit den Waffen des Gesetzes die Wucht der antisemitischen Angriffe sich wesentlich verringert habe. Nachdem Herr Baerwald-Nakel noch eifriges Werben in der Provinz und Beschaffung hinreichender Geldmittel zur kräftigen Förderung der Vereins- Zwecke befürwortet und Herr Dr. Moses die Ursachen der antisemitischen Erfolge im Kreise Arnswalde erörtert hatte, stellte Herr Rechtsanwalt Dr. Friedländer-Potsdam es als einen entschiedenen Gewinn hin, daß die Vorstände der Synagogen-Gemeinden durch die stattgehabte mündliche Aussprache über die Sache des Central-Vereins volle Klarheit gewonnen und mit der festen Ueberzeugung in ihreHeimath kehren würden,