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Im deutschen Reich · 1895-12-01 · Heft 6 (Dezember 1895) · p. 309

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 6 (Dezember 1895)
Article
Berlin
Date
1895-12-01
Page
309 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 309 „Posttzp". Es verzeichnet in seiner Wiedergabe der erwähnten Liste schlankweg 626 jüdische Aerzte und 315 jüdische Rechtsanwälte (also je 100 mehr als vorvorhanden sind) und stellt den 29 Kommerzienräthen dm einen jüdischen Briefträger mit der hämischen Bemerkung gegenüber: „Solche Beschäftigung, wie die der Briefträger, der Schmiede u.s. w.,'überlassen die Juden den Christen." Wer nur eine Ahnung davon hat, wie schwer es den Juden wird, einen anderen Berufszweig zu ergreifen, als einen der wenigm, welche ihnen bis vor wenigen Jahren nicht verschlossen waren, wird anerkennen, daß es ihnen nicht an ehrlichem Willen fehlt, sich auf allen Gebieten zu bethätigen. Die „Staatsbürger Ztg."> die „Tägliche Rundschau", die „Deutsche Wacht" und andere Antisemitenblätter haben mit merklichem Wohlbehagen einem gesinnungsverwandren Wiener Organ, dem „Deutschen Volksblatt" ein angebliches „Programm der Jüdischen Nationalpariei für Galizien" nachgedruckt, welches das Wiener Blatt der in Lemberg erscheinenden polnischen „Gazeta Narodowa" entnommen haben wollte. Wie von bestunterrichteter Seile mitgetheilt wird, ist das Ganze eine plumpe Fälschung! Die erwähnte Nationalpartei hat bisher überhaupt kein Programm bekannt gegeben; das von dem Wiener Blatt mitgetheilte und wohl auch freierfundene Programm ist nichts Anderes als ein Aufguß jener Groß-Nabbiner-Rede, welche bekanntlich dem Roman „Gairta-Warschau-Düppel" entnommen, also eine Erfindung des ehemaligen Kreuzzeitung-Redakteurs Goedsche ist, welcher unter dem Schriftsteller-Namen Retcliff eine ganze Reihe sensationeller Romane veröffentlicht hat. Mit solchen Fälschungen, unter böswilliger Verwendung der seit Decennien fortwährend wieder und wieder in etwas anderer Form aufgeführten Roman-Phantasien früherer bösartiger Hetzer suchen die Judengegner auf die öffentliche Meinung einzuwirken und das nennen sie eine ehrliche Kampfesweise! — Herr Dr. F. Lange hat die letzten Tage seiner Thätigkeit in der Redaktion der „Tägl. Rundschau" benutzt, um den Juden einen Gefallen zu erweisen, indem er den beliebten steirischen Schriftsteller Rosegger zum Judenfreund gestempelt hat. In dem Feuilleton der Nr. 296 des erwähnten Blattes heißt es: „In einem seiner Geschichtenbücher, das den Titel „Meine Ferien" führt, plaudert Rosegger auch über „Besuche bei Dichtern": wie er in Graz und Wien Anastasius Grün, Hamerling und Anzengruber kennen lernte, in Berlin aber Auerbach nebst — Lindau, Blumenthal und Mauthner. Wenn nun Jemand für Auerbach schwärmt, wie der steirische Dichter auf jenen Blättern, so ist das seine Sache; aber er hat kein Recht, sein Urtheil zu ver-

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