Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1895)
- Article
- Zur Frage des obligatorischen Religionsunterrichtes in öffentlichen Schulen
- Date
- 1895-12-01
- Page
- 291 (sequence 1)
- Language
- German
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291 Zur Frage des obligatorischen Religionsunterrichtes in öffentlichen Ichulen. In Nr. 5 dieser Zeitschrift wurde eine Diskussion darüber eröffnet, ob man den obligatorischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen erstreben solle oder nickt. Ueber diese wichtige Frage sollten möglichst viele Jntereffenten sich äußern, selbst wenn sie, wie ich, in den wesentlichsten Punkten den Ausführungen des Referenten zustimmen und nicht in der Lage sind, viel neues Material beizubringen. Der Religionsunterricht sollte nach meiner Meinung überhaupt aus der Schule entfernt werden. So lange dies aber nicht für alle Konfessionen durchgeführt ist, haben wir Juden das Recht und die Pflicht, den obligatorischen Religionsunterricht auch für unsere Konfession zu verlangen. Das Recht, denn wir müssen darauf bestehen, daß die uns gewährleistete Gleichberechtigung nicht vor dem Lehrplan der Schule Halt mache; die Pflicht, denn wir sind es unfern Kindern schuldig, ihnen Religionsunterricht zu Theil werden zu lassen, und sind wir weder gewillt, noch auch immer in der Lage, dies auf privatem Wege zu thun. Nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung der Thatsache, daß es auf die jüdischen Schüler geradezu demoralisirend wirken muß, wenn sie sehen, daß ihre Religion und nur die ihrige entweder als fakultatives Lehrfach, also als quantite negligeable behandelt oder gar überhaupt vom Lehrplan ausgeschlossen wird. Hier ist, wie nebenbei bemerkt fein mag, gar oft der Grund dafür zu suchen, daß manche Kinder schon früh anfangen, sick ihres Judenthums zu schämen, es als etwas Schimpfliches, wenn auch Unabwendbares, zu verbergen. Da muß das Gegengewicht daheim schon recht