Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1895)
- Article
- Leopold Schefer
- Date
- 1895-12-01
- Page
- 290 (sequence 6)
- Language
- German
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290 Im deutsche» Reich. leger, auf das persönliche Verhältniß eine verhängnißvolle Einwirkung übte. Zu einem Bruche kam es allerdings nicht. Vielmehr zeigte sich Veit dem niemals glänzend situirten und damals, nach dem Verkauf Muskaus durch den Fürsten Pückler, in pekuniäre Verlegenheiten gerathenen Dichter stets als noblen Verleger und thatkräftigen Freund. Für feine persönlichen Verhältnisse bekundete er warmen Antheil. Ein Zeichen dafür ist fein Kondolenzschreiben beim Tode der Frau Schefer'S (15. Juni 1845), ein Zeugniß innigen Mitgefühls und beredter Aussprache wahrhafter Theilnahme. Doch wurde gerade die Gesammtausgabe, die nach der Meinung des Dichters und Verlegers ihre Verhältnisse kräftigen sollte, der Anlaß zur faktischen Trennung zwischen Buchhändler und Autor. Seit jener Zeit erschien kein neues Werk Schefer's mehr im Veit'fchen Verlage. Eine angebotene Sammlung von Gedichten mußte Veit ablehnen. Es seien zwar, so meinte er (19. Mai 1850), „Perlen und rohe Demanten in Hülle und Fülle darin", aber jetzt würde er zierliche Fassung verlangen; überdies lagen die Mißerfolge der letzten Jahre bleischwer auf ihm. Die Ablehnung erscheint um so merkwürdiger, als sie die früher so glühend begehrten, ja bereits angezeigten „Hausreden" betraf, die dann 1854 in anderm Verlag erschienen. Als Veit (1858) seine Buchhandlung aufgab, dankte er dem vieljährigeu Freunde, seinem ersten Autor, für alles ihm bewiesene Wohlwollen und Vertrauen. Daß auch dann noch persönliche Beziehungen bestanden, geht aus der Thatsache hervor, daß sich im Veit'fchen Nachlasse eine Kopie des Schreibens befindet, mit welchem Dingelstedt dem greisen, fast 80jäbrigen Dichter eine Pension der Schillerstiftung ankündigte. Die milde Weltanschauung, die schlichte Weisheit, die Schefer namentlich in seinem „Laienbrevier" predigte, waren ganz nach Veit's und der Seinen Sinn; ihnen erschien der Dichter geradezu wie ein Prophet, der sie über die Schwere des Erdenlebens trösten, wie ein Prediger, der ihnen in Nöthen und Kümmernissen des Lebens das befreiende Wort zurufen könnte. Ludwig Geiger.