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Im deutschen Reich · 1895-11-01 · Heft 5 (November 1895) · p. 267

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 5 (November 1895)
Article
Regensburg
Date
1895-11-01
Page
267 (sequence 1)
Language
German
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Korrespondenzen. 267 =■ Regensburg, 20. November. Unter dem pikanten Titel „Der Kampf um die Tugendrose" brachte der antisemitische „Deutsche Generalanzeiger" und nach ihm die ganze verwandte Presse „nachträglich" aus dem Monat Juni d. I. die Mittheilung, daß in Ingolstadt die 400jährige Jubelfeier der Kirche zu unseren lieben Frauen zugleich mit der 450 jährigen Jubelfeier der Schützengesellschaft in festlicher Weise begangen wurde. „Hierbei wurde u. A. auch ein Schützenfestzug nach der Jubiläumstirche veranstalrer, in welchem eine leibhafte (!) Jüdin an der Spitze der Festjungfrauen, in die Kirche zog, um an erster Stelle vor dem Altar und dem amtir^nden Geistlichen Aufstellung zu nehmen! Die biederen Jngolstädter Schützen hatten sich hierbei nicht viel gedacht; nachher aber überkam doch die Veranstalter ein leidlich hohes Maß von Schamgefühl. Doch das Schlimmste folgte erst jetzt nach. (!) Es hat nämlich der Bischof der Jngolstäd:er Kirchengemeinde, in Anerkennung für die würdige Veranstaltung der Jubelfeier nebst einem huldvollen Schreiben die christliche Tugendrose übersandt, damit dieselbe am nächstfolgenden Sonntage der Chorführerin der Ehrenjungfrauen öffentlich überreicht werde. Das brachte die Jngolstädter miisammt ihrem Geistlichen in die größte Bestürzung; aber ehe man sich über die vorzunehmenden Schritte zur Verhütung weiterer Skandale verständigen konnte, hatte die Jüdin bereits von der ihr zugedachten Auszeichnung erfahren, und erklärte, daß sie unter allen Umständen auf die Tugendrose Anspruch erhebe, und wenn ihre „israelitische Konfession" als ein Hinderniß angesehen werden sollte, so sei sie bereit, sich sofort Laufen zu lassen. — Der Redakteur des hier erscheinenden Familienblattes „Laubhütte", Dr. S. Meyer, erhielt auf seine Anfragen über diese seltsame Angelegenheit von absolut vertrauenswürdiger Seite aus Ingolstadt folgenden Bescheid: „Ist doch nichts so dumm, es findet sein Publikum! Zunächst ist es unwahr, daß die bemerkte Jubelfeier der Schützen, mit derjenigen der Kirche zusammen gefeiert worden ist, da zwischen beiden eine ganze Woche liegt. Erst kam das Schützenjubiläum. Der sehr patente Schützenmeister, ein wegen seiner Ehrenhaftigkeit allgemein geschätzter .Herr B. denkt eher an alles Andere, als sich durch Intoleranz bemerklich zu machen. So erbat er sich so viele Ehrenjungsrauen, als er zur Fahnenweihe nur haben konnte und darunter auch Frl. Mannheimer, welche den trefflichen Ruf, den sie genießt, vollauf verdient, und deren verstorbener Vater vieljähriges Mitglied der hiesigen Schützengilde gewesen ist. Er erhielt die Zahl 17, deren Führerin aber nichr Frl. "))if sondern die katholische Baumeisterstochter Frl. Finsterwalder war, welche auch den Prolog gesprochen hat. Was sonst berichtet wurde, ist blödes Hirngespinnst — sonst Nichts. — Bei der folgenden kirchlichen

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