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Im deutschen Reich · 1895-11-01 · Heft 5 (November 1895) · p. 263

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 5 (November 1895)
Article
Berlin
Date
1895-11-01
Page
263 (sequence 3)
Language
German
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Korrespondenzen. 263 kannte zwar beide Parteien als schuldig, billigte ihnen aber den Schutz des § 193 zu und verurtheilte beide zu je 25 Mark Geldstrafe. — Bekanntlich hatte sich der antisemitische Schriftsteller L. A. F. Schweinhagen der Verbüßung, der am 17. März d. I. über ihn wegen Beleidigung des Finanzministers Miquel verhängten einjährigen Gefängnisstrafe durch die Flucht entzogen. Schweinhagen, welcher steckbrieflich verfolgt und in Wien verhaftet wurde, ist vor Kurzem hier eingeliesert worden. — Durch Selbstmord sind am 2. d. M. der ehemalige Redakleur Calami und seine Geliebte, ein Fräulein Sievarth im Grunewald in der Nähe van Nowawes bei Potsdam aus dem Leben geschieden. Calamö hatte Frau und Kinder in Königsberg zurückgelassen, als er vor Jahresfrist nach Berlin kam und hier Anstellung im „Volks-Recht" Ahlwardt's, dann im „Deutschen Michel" fand. Calamö, der sich Unregelmäßigkeiten hatte zu Schulden kommen lassen, griff aus Furcht vor der Strafe zum Revolver. y Breslau, 3. November. Vor einigen Tagen wurde der in der Schweiz festgenommene Graveur Fritz Sedlatzek in das hiesige Gerichtsgefängniß eingeliesert. Derselbe führte in seinem hiesigen Geschäft „Bedarfsartikel für Offiziere und Studenten". Dazu rechnete er wahrscheinlich nicht nur das Geld, welches er zu hohen Zinsen auslieh, sondern auch Stempel und Schablonen mit antisemitischen Inschriften: „Juden raus!" u. dgl. m. Trotzdem behaupten jetzt die hiesigen Antisemiten, daß dieser fleißige Besucher ihrer Versammlungen niemals zu ihrer Partei gehört habe. Fritz Sedlatzek und dessen als Mitschuldiger verhafteter Bruder Paul sollen übrigens Brüder des .Herausgebers des „Deutschen General-Anzeigers" Karl Sedlatzek in Berlin sein, der sich durch Auffrischung von Blutritualmärchen und durch andere kleine Kunststücke um die antisemitische Sache besondere Verdienste erworben hat. * Reifst, l. November. Zu Ehren des Fürstbischofs von Breslau, Kardinal lh\ Kopp, veranstaltete die hiesige Stadtgemeinde am 27. vor. Mts. ein Festmahl, welchen! der Religionslehrer der hiesigen Spnagogen- Gemeinde, Mox Ellguther, nlo Ehrengast der Sladt beinohnte. Der Kardinal sagte zu Herrn Ellguther, er betrachte seine Anwesenheit bei dem Feste als einen Beweis für die am Orte herrschende Einigkeit unter den Bekennern der verschiedenen Religionen; er wünsche von Herzen, daß diese Einigkeit erhalten bleibe. Dieser Gesinnung gab Se. Eminenz auch noch in dem der Stadt Neisse gewidmeten Trinksvruch in bemerkenswerthec Weise hervorragenden Ausdruck. r. Wohlan, 3. November. In verschiedenen antisemitischen Blättern fand sich folgende, von hier aus eingesandte Notiz: „Jüdische Rache. Da es den Juden in Frankenstein nicht gelungen war, den im Interesse Israels nach Wohlan versetzten Postassistenten Paul Sch. noch in anderer

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