Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 5 (November 1895)
- Article
- Umschau
- Date
- 1895-11-01
- Page
- 251 (sequence 1)
- Language
- German
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261 Umschau. „Wenn wir uns doch endlich ermannen wollten!" Dieses KaiserworL sollte allerwärts im deutschen Volke Wiederhall finden; es sollte alle Freunde der bestehenden staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung wachrufen zum männlichen Widerstand gegen die ehrgeizigen Unruhestifter, welche nicht nur zwischen dem Monarchen und seinen ersten Rathgebern Zwietracht säen wollten, sondern auch Volkskreise entzweiten, deren Wohlfahrt nur durch gemeinsame friedliche Arbeit begründet werden kann. Noch können sich in Deutschland Viele nicht von dem Eindruck der tönenden Phrasen verlogener Hetzer befreien, noch können sich Viele nicht ermannen zum Selbstdenken und 511* Ablehnung solcher Männer, die sich durch Wortverdrehen und Unempfindlichkeit gegen die schwersten Beleidigungen in Stellungen zu behaupten hoffen, für welche weite Kreise sie nicht mehr für geeignet erachten. Immerhin giebt es noch Leute genug, die trotz des grellen Lichtes, welches bei dem moralischen Ruin des Freiherrn von Hammerstein auf dessen langjährigen Mitstreiter fiel, diesem letzteren den Muth einflößen, auf seinem Posten auszuharren. Der Vorsitzende des Berliner konservativen Parteirathes hat neuerdings den Professor Dr. Brecher aufgefordert, die Thatsachen anzugeben, auf die er seine gegen den Hofprediger a. D. Stöcker gerichteten Behauptungen (des Mangels an Offenheit und Wahrheitsliebe) stützt. Darauf hat der ehemalige Parteigenosse Stöcker's geantwortet, dag er nur dem Gericht Auskunft ertheilen werde. Bekanntlich hat aber Stöcker, schon früher erklärt, diese Sache nicht vor Gericht zum Austrag bringen zu wollen, wie er auch wiederholt die gröblichsten Beschimpfungen des „Kladderadatsch" ruhig über sich ergehen ließ, ohne gegen die weder als freisinnig noch als philosemitisch geltende Redaktion dieses Witzblattes klagbar zu werden, wozu insbesondere das Gedicht „Der Tempelschänder" jeden Feinfühligeren unzweifelhaft veranlaßt hätte. Ebensowenig hat er auf Veröffentlichungen über „die Hospize der Berliner Stadtmission" ausreichend geantwortet, trotzdem ihm dabei vorgeworfen wurde, behufs Ersparung der Erbschaftssteuer den Werth der Hospize falsch angegeben zu haben. In mehreren Blättern ist darauf die 'Nachricht aufgetaucht, daß auf direkten Befehl des Kaisers ein hoher Beamter mit der Abfassung einer Denkschrift über die Thätigkeit Stöcker's betraut worden sei. Die „SaaleZtg." berichtete sogar, daß dieser Bericht bereits eingereicht worden und daß der Kaiser daraufhin die Einleitung eines