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Im deutschen Reich · 1895-11-01 · Heft 5 (November 1895) · p. 245

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 5 (November 1895)
Article
Leopold Schefer
Date
1895-11-01
Page
245 (sequence 7)
Language
German
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Leopold Schefer. 246 deinen Augenblick, nur daß man in seinem etwas matten Auge und den spannungentbehrenden Zügen nicht die Fülle sucht, die seine Brust birgt. In seinen Gesprächen überall Weltumsicht, in stiller Betrachtung geborgen, Geistesgewandheit, alles Linkische des Benehmens überwindend, und überall ein Herz voll Liebe und Natursinn. Nur in einem Punkt wird dieser schöne,' reine, reife Mensch sich selber untreu — so oft einer bedeutenden Literaturgröße Erwähnung geschieht. Im Degradiren Shakespeares unter Raupach könnt' er keck rivalifiren mit jenem Berliner Pamphleischreiber, der lctztern über jenen, sowie den engmantligen Wilibald (Alexis) über den schottischen Sir Walter hob; im Mäkeln und Verketzern Goethes, des Menschen wie des Dichters, könnten Menzel, Müllner und die Jena-Weimaraner Schornsteinfeger bei ihm in die Schule gegangen seyn. Ich habe Aeußerungen darüber aus seinem Munde gehört, die ich keinem Berichterstatter über Schefer glauben würde und die ich kaum Dir zumnthen möchte mir zu glauben. Werder würde bei deren Anhörung entweder versteinert seyn oder zu einer Bckehrungsrede veranlaßt, gegen welche die zweite Philippika ein Säugling. Schcfers Wohnung ist sehr einladend auf einem Gartenhügel gelegen, eine kleine Englische Villa am Nordmestende des Städtchens, mit der Aussicht auf einen Theil des Parks. Da dichtet er und besorgt die Einrichtung von Haus und Feld und Garten, während seine Frau die Kinder wäscht und anzieht, die Wäsche plättet, und die Küche besorgt, auch sehr besorgt ist, daß der Alaun fleißig arbeite und verdiene so viel als möglich; denn zu Arbeit und Verdienen ist sie selbst erzogen; Sonntags begleitet sie ihn auch wohl Nachmittags mit den Kindern zum Spaziergang; in der Woche darf dergleichen Regelwidriges nicht Vorfällen. Uebrigenü scheint sie sehr brav und gutherzig zu seyn, und die Kinderchen sind gesunde reinliche Pflanzen. Schescrö durchdringender Familiensinn ist unleugbar auf eigenstem Boden erwachsen." Ludwig Geiger. (Schluß folgt.)

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