Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 5 (November 1895)
- Article
- Antisemitismus - Anarchismus
- Date
- 1895-11-01
- Page
- 206 (sequence 2)
- Language
- German
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906 Im deutschen Reich. „Die Bürger aller Bekenntnisse stehen meinem Herzen gleich nahe, denn sie haben sich alle in gleicher Hingebung in der Stunde der Gefahr bewährt", heißen die ewig schönen Worte Kaiser Friedrichs; und diesem Zeugniß, das wir auch auf unsere Gemeinschaft zu beziehen gutes Recht haben, freudig ausgestellt für freudig dargebrachte Leistungen in der Zeit äußerer Roth, äußeren Krieges, — ich weiß es und Sie wissen es mit mir, wir werden ihm keine Schande machen in dieser Zeit der inneren Gefahr, in dieser Zeit des Krieges der Geister. Aber außer in diesen allgemeinen Kampf, der die ganze bürgerliche Gesellschaft bewegt, scheinen wir Juden noch in einen Separatkampf verwickelt zu sein, der angeblich nur uns gus. Juden gelte und bei dem diejenigen, die nicht Juden sind, im Punkte persönlicher Sicherheit und persönlichen Unbelästigtbleibens keine andere Rolle zu spielen haben, als die ganz angenehme des uubetheiligten Zuschauers, ein Separatkampf, der mit dem allgemeinen nichts zu thun Hütte. Weit gefehlt und falsch genrtheilt! Der sogenannte Antisemitismus ist nichts als eine Spielart, eine besondere Erscheinungsform des Anarchismus und es ist kein Separatkanipf, in dem wir uns befinden, sondern dieser Kampf gegen diesen Anarchisinus ist nur ein Theil des allgemeinen und geht die bürgerliche Allgemeinheit des Vaterlandes so nahe an, wie nur irgend eine Abwehr gegen eine andere Nuance derselben geistigen Depravation. Weit gefehlt Ihr Mitbürger, die Ihr als Nichtjudeu glaubt, Ihr wäret von diesem unterwühlenden Treiben nicht bedroht! Die Pechkränze, mit denen man in der Arena uns verbrennen will, fliegen schon lange hübsch deutlich und sichtbar genug auch über die Barrieren unter die verehrlichen Zuschauer und stecken jenseits so gut in Brand wie diesseits; denn Brandfackel bleibt eben Brandfackel und ihre unreine, schwelende Flamme frißt ohne Unterschied Alles, was eben brennbar ist. Lange genug hat man sich den innigen Zusammenhang zwischen Anarchismus und Antisemitismus nicht genügend klar gemacht und damit die Gefahr dieser Bewegung, nicht so sehr für uns Juden als für das Staatsganze, für die moralischen und materiellen Güter der Allgemeinheit, unterschätzt. Dian glaubte, und glaubt zum Theil heute noch, der Antisemitismus lasse sich als bequemeres Vorspann für irgend welche speziellen Parieizwecke benutzen und