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Im deutschen Reich · 1895-10-01 · Heft 4 (Oktober 1895) · p. 199

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 4 (Oktober 1895)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1895-10-01
Page
199 (sequence 6)
Language
German
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Vereinsnachnchten. 199 Juden, sondern als Freund von Recht und Gerechtigkeit den Antisemitismus bekämpfte und noch kurz vor seinem Tode in einem Schreiben seine Sympathien für unsere Wirksamkeit kundgab. Die Versammlung ehrte die Manen der verdienten Männer durch Erheben von den Sitzen. Nachdem der Vorsitzende über eine tan 6. d. Mts. stattgehabte Delegirten- Versammlung berichtet hatte, geißelte er mit scharfen Worten das Gebühren einer großm hiesigen jüdischen Firma, welche in antisemitischen Blättern annoncirte. Er tadelte ferner in noch schärferer Weise den Juden, welcher dringend verdächtig ist, bei einer Trauung in der Kirche zu Buckow unpassende und den Gottesdienst störende Bemerkungen gemacht zu haben.*) Wegen der Freisprechung des Jahveläfterers von Mosch werde der Vereinsvorstand im Kampfe für das Recht nicht erlahmen. Wenn wir annehmen, daß der 'höchste Gerichtshof mit einer uns ungünstigen Auslegung des Rechts auf falschem Wege ist, würden wir Feiglinge sein, wollten wir nicht dem Reichsgericht Gelegenheit geben, in einem späteren Falle ein anderes Urtheil zu fällen. Er berührte hierauf die Thätigkeit des Vereins, erwähnte dabei die Verurtheilung der antisemitischen „Deutschen Wacht" in Dresden wegen Beleidigung der Berliner Firma Baer Sohn und berichtete, daß der Landeshauptmann der Provinz Ostpreußen auf eine von dem Vorstand gegen die Provinzial-Jrrenanstalt zu Kortau (Ostpr.) eingereichte Beschwerde die Antwort ertheilte: ^Jch habe die gewählte Form der Ausschreibung als unzulässig bezeichnet und aus dem Vorkommniß Veranlassung genommen, die Direktoren der Provinzial-Anstalten darauf hinzuweisen, daß bei Ausschreibung von Stellen ein Hinweis auf das religiöse Bekenntniß nicht stattfinden darf." (Lebhafter Beifall.) 'Nach Eröffnung der Diskussion schilderte in warmherziger Weise Herr stad. med. Alfred Klee die Vorgänge im akademischen Leben, welche die vielfach gekränkten jüdischen Studirenden zur Begründung jüdischer Verbindungen veranlaßten. Die lebhafte Sympathie, welche die Bitte des Redners erweckte, an der Zerstörung der gegen die jüdischen Verbindungen noch vielfach vorhandenen Vorurtheile milzuwirken, veranlaßte den Vorsitzenden zur herzlichsten Anerkennung des in der „Sprevia" herrschenden Geistes, welcher den Bestrebungen des Central- Vereins congruent und congenial sei. Allgemeine Zustimmung erwarb hierauf Herr Journalist I. Frankel mit der durch einen Bericht über die Nichtbeförderung anerkannt tüchtiger jüdischer Soldaten begründeten Aufforderung, derartige Vorkommnisse nicht auf sich beruhen zu lassen. *) Wie wir nachträglich erfahren, war der Betreffende schon früher als Geisteskranker wiederholt in einer Anstalt unrergebracht und er befindet sich jetzt wieder in einer solchen. D. R.

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