Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1895)
- Article
- Berlin
- Date
- 1895-10-01
- Page
- 187 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aorresxonörnzen. IST wir um so weniger, als der betreffende Herr auch erklärt, seine Mitlheilungen nöLhigenfalls persönlich zu vertreten."—Während der 25 jährigen Gedenktage an die großen Siege des Jahres 1870 ist auch viel von der Mitwirkung der Juden an diesen Kämpfen die Rede gewesen. Aus einer in der Vorbereitung begriffenen größeren Publikation über den Antheil der Juden am Kriegsdienste hat das Komitee zur Abwehr antisemitischer Angriffe uns kürzlich eine Liste der Inhaber des Eisernen Kreuzes und der entsprechenden Orden der anderen Bundesstaaten zur Verfügung gestellt. Diese sehr umfängliche Liste, welche uns leider erst zuging, als das 3. Heft bereits gedruckt war, ist inzwischen von mehreren anderen Blättern veröffentlicht worden. Sie weist eine überraschend große Zahl dekorirter Soldaten jüdischen Glaubens auf, trotzdem sie noch keineswegs vollständig ist. Das Komitee bittet deshalb Alle, welche zur Vervollständigung dieser Liste beitragen können, die ihnen über die jüdischen Ritter des Eisernen Kreuzes oder anderer Kriegs- Auszeichnungen bekannten Daten, sowie das, was ihnen im Allgemeinen über die Betheiligung von Juden an den Feldzügen von 1864, 66 und 70 bekannt ist, mitzutheilen. Indem wir uns dieser Bitte des Komitees hiermit anschließen, bitten wir unsere Leser und Freunde entsprechende Nachrichten entweder dem Komitee selbst unter der Adresse des Herrn Dr. P. Nathan, Bülowstraße 83, oder der Redaktion dieser Zeitschrift zugehen zu lassen, welche die Uebermittelung an das Komitee gern besorgt. — Die Rektoratsrede Adolf Wagners enthielt folgendes bcmerkenswerthe Zugeständnitz: „In Rodbertus, Engels, Marx wird man dann nicht nur Agitatoren, sondern auch Denker ersten Ranges erkennen, die ihre Gefährlichkeit mit anderen Philosophen theilen. Selbst Lassalle verdient als Mann der Wissenschaft mit genannt zu werden." Aie neuerdings oft abgestrirtene wissenschaftliche Befähigung einzelner Juden wird damit von einer Autorität anerkannt, die von antisemitischer Seite nicht angezweifelt werden kann. — Bei der Enthüllung des Denkmals der verewigten Kaiserin Augusta war die jüdische Geistlichkeit aus erhaltene Einladung durch Herrn Rabbiner Dr. Maybaum vertreten. □ Breslau, 10. Oktober. Hiesige Blätter berichten über die Verhaftung eines den besseren (!) Gesellschaftsklassen angehörenden jungen Mädchens, welches am Vorabend ihrer Hochzeit wegen Kindesmordes in das Gefängniß abgeführt wurde, die unselige That aber im unzurechnungsfähigen Zustande begangen haben soll. Daß die betreffenden Blätter den Namen der Uebelthäterin verschweigen, ist mit Rücksicht auf diejenigen Kreise, welche sie zu den besseren Klassen zählen, sehr erklärlich. Es handelt sich um die. Tochter eines als eifrigen Antisemiten bekannten Direktors; dieselbe hat ihr außereheliches Kind zerstückelt. Die Untersuchung ist auch gegen die Eltern der Mörderin eingeleitet.