Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1895)
- Article
- Berlin
- Date
- 1895-10-01
- Page
- 185 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316604-2316608-2317568--00301-2317678- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
185 Korrespondenzen. * Berlin, 15. Oktober. In der am 22. September abgehaltenm Repräsentantett-Bersammlung wurde ein Schreiben des Vorstandes vorgetragen, worin letzterer mittheilte, daß er in der Angelegenheit, die Anstellung jüdischer Lehrerinnen an städtischen Schulen betreffend, entsprechend dem seiner Zeit gefaßten Beschlüße der Versammlung, sich mit einer Petttion an den Kultusminister gewandt habe; eine Antwort darauf sei jedoch bis jetzt noch nicht erfolgt. Eine Besprechung dieser Angelegenheit wurde bis zu dem vom Ministerium zu erwartenden Bescheide ausgesetzt. Inzwischen hat das Provinzial - Kollegium in einer Mittheilung an die städtische Schuldeputation die Unterrichtserlaubniß für jüdische Hospitanttnnen an den hiesigen Gemeindeschulen dahin erweitert, daß dieselben die jüdischen Lehrerinnen nicht nur im Religionsunterricht, sondern auch in den anderen von denselben geleitetenUnterrichsfächern vertreten dürfen. Diese immerhin für die bereits zugelassenen jüdischen Hospitantinnen sehr erfreuliche Anordnung soll auf direkte Anordnung des Herrn Kultusministers erfolgt sein. — Im hiesigen konservativen Bürgerverein „Blücher" hielt der Superintendent und Kreisschulinspektor a. D. Pfarrer Krückeberg einen Vortrag über das Thema „Jüdische Lehrer in christlichen Schulen" und führte dabei aus, daß die. Gesinnung des Lehrers fast in allen Unterrichtsfächern auf die Gesinnung und das Gemüth des Kindes großen Einfluß übe. Der Vortragende war so freundlich, Juden wenigstens zur Ertheilung des Rechenunterrichts zulassen zu wollen, während er selbst die Ertheilung des Schreibunterrichts durch Juden wegen des Inhalts der Schreibvorlagen als bedenklich bezeichnete. Er wollte zwar die Einrichtung von Judenschulen weder gehindert noch befördert sehen, meinte aber, es sei zu wünschen, daß die jüdischen Kinder durch christliche Lehrer Geschichtsunterricht erhalten. Nach längerer Debatte nahmen die Anwesenden eine Resolution an, durch welche dem Provinzialschulkollegium Dank dafür ausgesprochen wird, „daß es der weiteren Verödung der christlichen Volksschulen einen Riegel vorzuschieben beabsichtigt. Ferner wird darin die Hoffnung ausgedrückt, daß das Kultusministerium die seitens des Magistrats hierüber geführte Beschwerde ablehnen werde." Ein Verein, der von dem Marschall Blücher nur den Namen, aber nicht