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Im deutschen Reich · 1895-10-01 · Heft 4 (Oktober 1895) · p. 174

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 4 (Oktober 1895)
Article
Umschau
Date
1895-10-01
Page
174 (sequence 1)
Language
German
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174 Umschau. Wenn irgend etwas geeignet war, das deutsche Volk über den Charakter und die eigentlichen Ziele der strebsamsten Führer der judenfeindlichen Parteien aufzuklären, so war es die kürzliche Veröffentlichung eines an dm jetzt steckbrieflich verfolgten Freiherrn von Hammerstein gerichteten, aus dem Jahre 1888 datirenden Briefes, dessen Absender, der damalige Hofprediger Adolf Stöcker, in diesem Schreiben offen darlegt, daß sein Ehrgeiz schon früher weit höher reichte, als ein großer Theil seines ihn nur als Judengegner kennenden Anhanges noch vor Kurzem geahnt hat. In der richtigen Ueberzeugung, daß die konservative Partei durch die grelle Beleuchtung des ihr früher so werthvollen Dioskuren-Paares Hammerstein-Stöcker wenig gewinnen dürfte, beeilte sich der konservative Parteirath öffentlich der Ueberzeugung Ausdruck zu verleihen, daß es niemals in der Absicht des Herrn Stöcker gelegen haben könne, Kaiser und Kanzler zu trennen. Diesem Versuch einer Ehrenrettung trat die „Nordd. Allg. Ztg." sofort durch den Hinweis auf die Stelle des Stöcker'schen Briefes entgegen: „Merkt der Kaiser, daß man zwischen ihm und Bismarck Zwietracht säen will, so stößt man ihn zurück." Die ,/Nordd. Allg. Ztg." fügte hinzu, dcr Versuch in eine Angelegenheit, die ausschließlich zwischen dem Kaiser und dem Kanzler lag, sich einzumischen und Nachhilfe zur Herbeiführung eines Bruches zu leisten, zeuge von Leichtfertigkeit in der Uebernahme einer schweren Verantwortung. Empfindlicher als diese Auslassung berührte den „Vater des Antisemitismus" eine Kundgebung des ältesten Berliner konservativen Vereins, des „Nordvereins", welcher öffentlich die Schutznahme seitens des konservativen Wahlvereins mißbilligte und erklärte, der Brief vom 14. August 1888 lasse nur die Auslegung zu, „daß der damalige Hofprediger Stöcker von der Absicht geleitet wurde, Zwietracht zwischen Sr. Majestät und dem Fürsten Bismarck zu säen." Dadurch, daß Herr Stöcker den Professor Dr. Brecher als den vermeintlichen Urheber jener Kundgebung persönlich angriff, verschlimmerte er seine Lage, denn nun erklärte der angegriffene ehemalige Parteigenosse Stöcker's, er stehe zwar jener Erklärung fern, habe aber schon lange Zeit jede Berührung mit dem ehemaligen Hofprediger wegen seines bemerkenswerthen Mangels an Wahrheitsliebe und Offenheit absichtlich gemieden. Gegen diesen beleidigenden Vorwurf erklärte Stöcker kein Rechtsmittel gebrauchen, sondern sich nur bei einem Ehrenrath beklagen zu wollen. Er hat die jetzt von wenig judenfreundlicher Seite gegen ihn gerichteten Angriffe neuerdings dadurch abzustumpfen gesucht,

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