Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1895)
- Article
- Die Bestrebungen und Ziele des Central-Vereins
- Date
- 1895-10-01
- Page
- 156 (sequence 12)
- Language
- German
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166 Im deutsch»» Reich. nicht erfahren oder nicht vorurtheilslo» genug sind, die Berechtigung dieser Angriffe au», eigener Prüfung richtig zu würdigen. Wehe dem Juden, der unter der Anklage de» Nitualmorde», de» Meineide» u. s. w. steht und Geschworene zu seinen Richtern hat, denen systematisch da» Gift jener antisemitischen Flugblätter eingeträufelt ist! Wer ivird, wenn er an die Verurtheilung de» Schlächter» Bank in Burgwaldniel denkt, noch rathen können, daß man jene Flugblätter auf sich beruhen taffe? Sie wissen, wie e» zu jener Verurtheilung gekommen ist. In antisemitischen Zeitungen und Flugblättern am Rhein war, um da» jüdische Schlächtergewerbe zu ruiniren, die Behauptung ausgestellt, daß die jüdischen Schlächter, welche Fleisch an Christen verkauften, vorher daffelbe besudeln müßten; so stände es im Talmud! Man ventilirte die Frage hin und her, zitirte Talmudstellen in Flugblättern und Versammlungen, die jene Beschuldigung beweisen sollten, und schließlich war das beste Veiveismittel da: es fanden sich Zeugen, welche gesehen haben wollten, wie zwei jüdische Schlächter, indem sie fremdländische — offenbar hebräische! — Worte in den Bart murmelten, das Fleisch besudelte». Keiner von allen Leumundszeugen, die jene Schlächter kannten, haben sic dieser That für fähig gehalten. Ich bin weit entfernt, den Zeugen, welche die That beschworen haben, den Vorwurf des bewußten Meineides zu machen; nein! sie waren durch systematische Agitation so verblendet und fanatisirt, daß sie schließlich sich einbildeten, das gesehen zu haben, was ihnen immer und immer wieder als möglich oder als wirklich in beredten Worten vorgespiegelt worden ist. Man denke an die Hexenprozesse früherer -Jahrhunderte! was haben da verblendete Menschen nicht alles bezeugt, nicht alles beschworen, und wer wollte, wenn er dieser Schreckniffe eingedenk ist, noch den guten Rath geben, daß man die Dinge nur gehen, die antisemitischen Flugblätter nur ruhig gewähren laffe. Doch genug über den Rechtsschutz vor Gerichten. Wie wir, vom Rechtsschutz abgesehen, die staatsbürgerlichen Jntereffen der Juden gegenüber Behörden und Korporationen wahrgenommen haben, auch darüber giebt Ihnen der Rechtsschutzbericht und der Inhalt unserer Zeitschrift „Im deutschen Reich" getreulich Auskunft. Ich erinnere Sie, wie wir eingetreten sind, als jüdische Soldaten auf einer Kontrolversammlung von