Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 3 (September 1895)
- Article
- Umschau
- Date
- 1895-09-01
- Page
- 125 (sequence 1)
- Language
- German
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125 Umschau. cnn jetzt ein Geist hernieder stiege, zugleich ein Sänger und ein Held, ein solcher, der im heiligen Kriege gefallen auf dem Siegesfeld — er würde sich entsetzt abwenden von dem gehässigen Treiben Derjenigen, die es wagten, am 25jährigen Jubiläum der Ruhmestage von 1870/71 die Soldaten jüdischen Glaubens zu verleumden, welche Schulter an Schulter mit ihren christlichen Kameraden das deutsche Vaterland mannhaft vertheidigt haben! Von den 15 000 Soldaten jüdischen Glaubens, welche an den ruhmvollen Kämpfen betheiligt waren, haben mehr als 300 das Eiserne Kreuz erhalten. Eine große Anzahl wackerer jüdischer Krieger hat in Frankreich ihr Herzblut vergossen. Das aber hat freilich keiner jener Vaterlandsvertheidiger geahnt, daß man in Deutschland schon nach wenigen Jahren beginnen würde, die verfassungsmäßig verbürgten Rechte der Juden auf's Neue anzutasten, die im Kriege von denselben geleisteten treuen Dienste zu bezweifeln und zu verhöhnen! Wer muthig für sein Vaterland gefallen, der baut sich selbst ein ewig Monument im treuen Herzen seiner Landesbrüder und dies Gebäude reißt kein Sturmwind nieder! Dies prophezeihte Theodor Körner, ein Sänger und zugleich ein Held, so denken echte Deutsche noch heute und deshalb wird der wilde Sturm des Glaubens- und Rassenhasses, welcher jetzt das Monument der in Frankreich gefallenen Helden umbraust, dasselbe in seinen Grundpfeilern nicht erschüttern! Mag die Annahme, daß in dem neugegründeten deutschen Kaiserreiche keine Rückkehr zu mittelalterlichen Anschauungen mehr möglich sein werde, eine falsche gewesen sein, in d e r Voraussetzung hat man sich sicher nicht geirrt, daß das deutsche Volk sich niemals dazu verleiten lassen wird, auf den Gräbern der gefallenen Krieger die Fahne des Rassenhasses aufzupflanzen. Die dreiste Zumuthung eines solchen Frevels kann das deutsche Volk nur über die Ziele derer aufklären, welche an die schlimmsten Instinkte appelliren, um ihre eigenen Vortheile zu wahren. Den Versuch, die gehobene Stimmung während der Jubiläumszeit zur Reklame für die antisemitische Presse zu verwerthen, machte u. A. von Gerhardt im „Sedlatzek'schen General-Anzeiger", als er am 21. Juli