Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1895-09-01 · Heft 3 (September 1895) · p. 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 3 (September 1895)
Article
Deutsche und Juden
Date
1895-09-01
Page
115 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316604-2316607-2317454--00190-2317519
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

115 Deutsche und Juden. •eines der antisemitischen Schlagworte hat so tiefe Wirkungen ausgeübt, wie der Satz von der Verschiedenheit des semitischen und des germanischen Geistes. Auf Untersuchungen beruhend, welche nicht Jeder prüfen kann, ist dieser Satz verständlich genug, um auch von den Masten erfaßt zu werden und fortwährend Verwerthung zu finden. Da sich eine Verschiedenheit der Stämme, in Bezug auf Körperbau, auf die Art, Empfindungen zu äußem und sich in der Geschichte geltend zu machen, nicht leugnen läßt, finden die wissenschaftlichen Haßverkünder Einzelheiten genug vor, welche sie den Zweiflern entgegenhalten und womit sie in denjenigen Kreisen Anhänger gewinnen können, deren Geist sich auf rohe Weise nicht fesseln läßt, deren Gegnerschaft für uns aber besonders verhängnißvoll wird. Wie läßt es sich aber verhindern, daß uns aus unserem Körperbau, aus der Eigenart unseres Tonfalls ein unverzeihliches Verbrechen gemacht wird? Wie läßt sich der Wall unklarer und unwahrer Voraussetzungen erstürmen, hinter welchen sich unsere Angreifer nach allen Einzelniederlagen flüchten, hinter welchem sie sich sicher fühlen, weil dieser Wall geistiger Art ist? Der Jude sagt: „Ich liebe mein Vaterland!" „„Redensart!"" tönt es ihm entgegen. „„Du kannst Deiner Eigenart gemäß es nicht lieben; Du täuschest Dich selbst damit!"" „Ich liebe die Kunst, die Wissenschaft; ich will darin schöpferisch wirken; ich will damit dem deutschen Geiste Ehre machen!" „„Weit gefehlt!"" ruft der Widerpart, „„Deine angebliche schöpferische Kraft ist Nachbeterei, geschickte Benutzung fremden Gutes! Deine Wisienfchaft muß der Tiefe ermangeln, denn Du wirst nur das leicht zu Erlangende und das Gewinnbringende lieben. In der Kunst wirst Du der Vertreter des hohlen, blendenden Scheines sein, ohne 9'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.