Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 3 (September 1895)
- Article
- Reichstagswahlen in der Ostmark
- Date
- 1895-09-01
- Page
- 110 (sequence 5)
- Language
- German
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110 )m deutschen Reich. welches das Licht aus dem Osten verschmäht und sich nach der arischen Heidenzeit zurücksehnt, haben sie jeder Zeit gern Opfer an Gut und Blut gebracht! Die Zurückdrängung des jüdischen Elements ist, wie Prof. Plötz in den „Preußischen Jahrbüchern" überzeugend nachgewiesen hat, für den Bestand des Deutschthums in den Ostmarken höchst nachtheilig gewesen. Wie in Böhmen und Mähren, so war und ist auch der Jude in der Provinz Posen der Pionier des Deutschthums. Als dies von deutscher Seite verkannt wurde, hatten dort die Czechen, hier die Polen davon den Vortheil. Hoffentlich tragen die bei der Wahltewegung im Kreise Meseritz-Bomst gemachten Erfahrungen dazu bei, die Beziehungen der evangelischen deutschen Bevölkerung, insbesondere der deutschen Beamten, zu den dortigen Juden freundlicher als bisher zu gestalten. Die Letzteren wiffen sehr gut, daß bei vielen Deutschen, wie bei dem Tempelherrn in Lessing's Nathan, in der rauhen Schaale ein edler Kern steckt. Ihre protestantischen deutschen Mitbürger sollten aber auch ihnen volle Gerechtigkeit widerfahren laffen. Daß der Wahlkreis Meseritz-Bomst diesmal dem Deutschthum noch glücklich gerettet wurde, ist thatsächlich nicht das Verdienst der Antisemiten, deren Wettbewerb den deutschen Erfolg längere Zeit ernstlich in Frage stellte. Wer es mit dein Deutschthum gut meint, wird dort, wo die klerikalen Polen bedeutenden Einfluß haben, nicht den Apfel der Zwietracht unter die Deutschen werfen! Er wird, wo Deutsche zusammenstehen müffen, mit Karl Gutzkow sagen: Nicht, was wir glauben, nein: wie wir glauben — das nur überwindet! Alphonse Levy.