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Im deutschen Reich · 1895-09-01 · Heft 3 (September 1895) · p. 101

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 3 (September 1895)
Article
Zum 2. September
Date
1895-09-01
Page
101 (sequence 5)
Language
German
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Zum 2. September. 101 Unser Kaiser hat uns in den herrlichen Worten, die er an das deutsche Volk richtete, unser Ziel vorgezeichnet. „Uns aber und Unseren Nachfolgern in der Kaiserkrone wolle Gott verleihen Allzeit Mehrer des Deutschen Reiches zu feijt, nicht in kriegerischen Eroberungen, sondern in den Werken des Friedens, auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung.- Die Geschichte stellt uns das Zeugniß aus, daß wir jederzeit das Schwert zu führen verstanden, aber darin suchen wir nicht unseren Beruf. Die Werke des Friedens sind es, in denen wir uns auszuzeichnen und im Völkerleben eine ehrende Stellung einzunehmen trachten. Da liegt uns vor Allem ob, das nationale Wohl zu fördern, alle Hebel in Bewegung zu setzen, daß unsere Arbeit der ausländischen nicht nachstehe. Bei redlichem Willen können unsere Erzeugnisie den fremden gleichkommen und wenn dies auch nicht nach jeder Richtung hin der Fall wäre, so sollte nichtsdestoweniger die Pflicht, das nationale Wohl zu fördern, indem das Eigene unterstützt wird. Allen eine nicht abzuweisende Mahnung sein. Der nationalen Wohlfahrt aber kann sich nur ein freies Volk erfreuen, ein Volk, dessen Glieder nicht in willkürlicher Selbstsucht verfahren, sondern im Hinblick auf das Gemeinwohl wirken und streben auf dem Boden des allgemeinen Rechts und Gesetzes, denn das Gesetz nur kann uns Freiheit geben. Durch das Gesetz erlangen wir einen festen Halt, bewegen wir uns sicher und bestimmt in den uns angemessenen Grenzen; nur innerhalb eines gesetzmäßigen Kreises giebt es wahre Freiheit, der Nachbar findet dann an uns keine Schranke, da er sich ja auf dem Boden des allgemeinen Rechts bewegt, und so zeigt sich in der Entfaltung und Ausbreitung der verschiedensten Anlagen, Pläne und Bestrebungen die goldene Herrschaft der Freiheit. Diese wird dann nie ausarten und eine Verwilderung erzeugen, denn die durch das Gesetz bestimmte und geregelte Freiheit muß zur höchsten Stufe der Vollendung führen, nämlich der Gesittung Es galt stets als ein schöner Vorzug des deutschen Volkes sein tiefes moralisches Bewußtsein, seine tiefinnige, sittliche Weltanschauung, wie sie sich in den häuslichen und bürgerlichen Tugenden äußert. Schon Tacitus, der von den alten Deutschen

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