Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 3 (September 1895)
- Article
- Zum 2. September
- Date
- 1895-09-01
- Page
- 99 (sequence 3)
- Language
- German
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Zum 2. September. 99 messen, wenn wir uns zwei Fragen beantworten: was ist erreicht? und was soll noch erreicht werden? In strahlender Majestät entfaltet sich die Geschichte unseres Volkes. Das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald und die auf dem Niederwald erstehende Germania — sie bilden gewissermaßen die Eckpfeiler des deutschen Ruhmestempel». Von Hermann dem Cherusker bis zu Karl dem Großen, von Otto dem Großen bis zu Friedrich Barbarossa — welche hehren Erscheinungen treten da auf! Und ging auch mit Kaiser Rothbart des deutschen Reiches Macht und Herrlichkeit zu einem langen Aauberschlafe, so haben uns doch des deutschen Geistes Fittige in großartigen Gebilden der Poesie und Kunst emporgetragen über die Dumpfheit und den Niedergang der äußeren Macht. Aber auch für diese sollte wiederum eine Zeit kommen. Nach langen wüsten und schauerlichen Kämpfen im Innern und nach Außen sollten die schwarzen Mächte, welche die Zersplitterung der deutschen Stämme bewerkstelligten und die einigende Hand sernhielten, dahinschwinden und ein hereinbrechender Sonnenstrahl sollte die Deutschland bedeckende Wolkenhülle zertheilen. Wie der Winter über den Boden seine eisigen Fesseln zieht und alles Leben gebunden hält, so lag auch lange über unserem Vaterlande ein Bann, der jede lebendige, frische Regung hemmte und bei ihrem Ausrichten erdrückte. Da kam endlich ein Frühling in's Land, aus den harten eisigen Schranken erhoben sich zuerst schüchtern, dann muthiger die Häupter, die Hoffnungsblüthen auf dem Boden deutschen Geistes wurden sichtbar, die Dichter wagten ihre Hellen Stimmen anzuschlagen und jubelnd erhob sich ihr Lerchenlied, das den hereinbrechenden Frühling des deutschen Volkes verkündigte. Diesen Frühling brachte uns das Jahr 70 und in diesem Frühling erhob sich die in Zauberschlaf gebannte deutsche Einheit in der hehren Erscheinung Kaiser Wilhelms des Ersten! Es war eine merkwürdige Fügung im Völkerschicksal, daß das Land zwischen Maas und Rhein, mit Straßburg und Metz, das im Vertrage zu Meisen 870 uns zufiel, genau nach einem Jahrtausend wieder zu Deutschland gehören sollte, nachdem es fast zwei Jahrhunderte in französischer Gewalt sich befand. ES war kein leichtes Werk, diese zu besiegen; wir unterschätzten nie