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Im deutschen Reich · 1895-09-01 · Heft 3 (September 1895) · p. 98

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 3 (September 1895)
Article
Zum 2. September
Date
1895-09-01
Page
98 (sequence 2)
Language
German
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98 Im deutschen Reich. So oft diese Tage wiederkehren, da erwacht in uns der Drang, mit der Gluth der Vaterlandsliebe jene großen Thaten zu feiern und zu verherrlichen. Es ist nicht der herausfordernde Siegeston, der dem Feinde feine schmähliche Niederlage entgegendröhnt, es ist nicht die verletzende Schadenfreude über des Gegners Niederwerfung und Vernichtung, sondern es ist die Feier unserer eigenen £raft und Stärke, unserer eigenen Erhebung und Verjüngung. In unsere Siegesfeier mischt sich die versöhnende Stimme, die getragen von der eigenen Macht edelmüthig hinausruft: Unserm Todfeind sei verzieh»! So ist unsere Festfreude eine das Menschenthum ehrende. Kein Spott über den Fall des Feindes beherrscht uns, sondern unsere Erhaltung und Erhebung ist es, die uns mit Jubel und Jauchzen erfüllt. Aber diesem Jubel wollen wir nicht bis zur Selbstberäuchernng Ausdruck geben; auch in der Freude muß uns der sittliche Ernst, die menschliche Würde und Hoheit begleiten. Nicht in einen Rausch wollen wir uns verlieren, sondern mit vollem Selbstbewusstsein der hohen Bedeutung des Festes eingedenk werden und demgemäß den Festcharakter wahren. Wir werden am sichersten die Bedeutung unseres Festes er- Bestrebungen, die die Staatsbürger jüdischen Glaubens zu Fremdlingen stempeln wollen. Es ist ein tragisches Geschick, wenn Kinder des Landes, die nichts Anderes sein wollen als eben nur Kinder des Landes, wenn sie von Mitbürgern scheel angesehen und mit dem Rufe zurückgewiesen werden: Ihr gehört nicht zu uns! Es müßte uns dies trostlos stimmen, wenn nicht Edle der Nation ihre zurechtweisende und reinigende Stimme erhoben hätten. Ein Volk, das einen Gneist, einen Mommsen, einen Virchow zu Organen seines Kulturlebens hat, muß in uns das Bewußtsein stärken, daß wir Glieder des deutschen Volkes sind, die sein Denken und Fühlen, seine Ziele und Bestrebungen vollends theilen. Wir lasten uns darum nicht verbittern, sondern wirken unentwegt zum Gedeihen der Gesamnitheit mit; nach wie vor stellen wir mit freudigem Herzen Gut und Blut in den Dienst des Vaterlandes, wie wir andererseits daran arbeiten, gewisse Schäden und Unzuträglichkeiten, die in unserer Mitte hervortreten, zu beseitigen. Und so werden wir auch in Zukunst alle Worte der Engherzigkeit und Lieblosigkeit mit dem Ruse erwidern: Mit Gott für Kaiser und Reich! M. Leo in.

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