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Im deutschen Reich · 1895-08-01 · Heft 2 (August 1895) · p. 89

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 2 (August 1895)
Article
Berlin
Date
1895-08-01
Page
89 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 89 Blatt zu folgender Aeußerung veranlaßt: „Die von der Finanzwelt und den ihr ergebenen Gewalten abhängigen großen und kleinen Tageszeitungen sind ängstlich bemüht, tiefgehende Risse mit kunstvollen Dekorationen zu umgeben, die Geister zu versumpfen, die Gewissen einzuschläfern und das von Zeit zu Zeit deutlich vernehmbare Krachen des Gesellschaftsbaues, seiner Stützen und Dämme durch Freudenfanfaren und anderen Festlärm, für den die Summen nicht gezählt werden, zu übertönen. Warnende Stimmen bleiben unbeachtet oder werden verfehmt. Die Acht über die Spielverderber und „taktlosen" Kritiker, die es wagen, die Dinge beim rechten Flamen zu nennen und von den heranziehenden Stürmen zu sprechen! Pfui über die „Friedensstörer", die über Hof- und Börsengesinde hinweg alle gesellschaftlichen Schäden mit der Fackel der Wahrheit beleuchten!" So schreibt das „Volk", das bekannte Organ des ehemaligen Hofpredigers Stöcker, dessen Kritik des „Hofgesindes" auffallend genug ist. Das Verdienst mancher „Friedensstörer"' ist es freilich nicht, wenn der Gesellschaftsbau unerschüttert bleibt! — Die Abgeordneten Ahlwardt und Zimmermann haben zwei mit ihnen befreundete wohlhabende Gastwirthe (Bodeck-Berlin und Louis Köhler- Blasewitz) als Diener bei den Nordostseekanal-Festen eingeschmuggelt und auf Reichskosten bewirthen lassen. Wenn Juden sich eine solche Dreistigkeit hätten zu Schulden kommen lassen, würden die Organe Ahlwardt's und Zimmermann's sicher die größte sittliche Entrüstung kundgegeben und an den Staatsanwalt appellirt haben. Daß aber der deutsche Gastwirth in Kiel auf Kosten der Steuerzahler „reine Luft, ohne Knoblauchsduft" geathmet und „Potz Blitz, der Millionär Köhler aus Blasewitz" Karten mit der Unterschrift „Diener des Reichstagsabgeordneten Zimmermann" verausgabt, werden die „Deutsche Wacht" und das „Deutsche Volks-Recht" nicht ausposaunen! — Die hiesige Buchhandlung von A. Dewald, Friedrichstraße 210, welche sich fast ausschließlich mit dem Vertriebe antisemitischer Preßerzeugnisse befaßte, ist seit dem 19. d. M. geschlossen. Wie die „Berl. Morgen-Ztg." berichtet, hielt der Gerichtsvollzieher den Kehraus, nachdem die von Dewald bewirkte Ankündigung eines „Ausverkaufs wegen Geschäftsaufgabe" ihren Zweck verfehlt hatte. — Die vor einigen Tagen von dem „Vorwärts" gebrachte und in einige andere Blätter übergegangene Mittheilung, daß in dem Haufe Pariser Platz 1 ein Vorleser für das schäbige .Honorar von 15 Mk. monatlich gesucht worden sei, veranlasse die „Staatsbürger -Ztg." zu der Bemerkung: „Daß der Bankier Samuel heißt, darf das Organ des .Herrn Singer natürlich nicht sagen." Gegen diesen Vorwurf, bei der Aufdeckung sozialer Mißstände respektvoll vor dem Judenthum Halt zu machen, hat sich das sozialdemokratische Blatt sofort in scharfen Ausdrücken gewehrt. Nachträglich veröffentlicht

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