Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 2 (August 1895)
- Article
- Ein Schwank von Hans Sachs dem Jüngeren
- Date
- 1895-08-01
- Page
- 69 (sequence 2)
- Language
- German
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Lin Schwank von Hans Sachs dem Jüngeren. 69 Nachgehen die Beiden dem Lärmen und Schrein Und kommen in einen Saal hinein. »Was giebt's?" fragt den Ersten da Sankt Paul. — »Du Judenbengel, halt gleich das Maul, Wir sind Germanen und Antisemiten, Die allen Juden das Maul verbieten, Wir wollen euch wohl das Handwerk legen!" So schallt's ihm in wüstem Chor entgegen. Bestürzt sieht Paulus den Petrus an, Der zornerreget da begann: »Was wollt ihr Christen? Erkennt ihr denn nicht Den Mann, der dorten mit euch spricht? Sankt Paulus der Apostel ift's, Der theure Jünger des heil'gen Christ- Und Petrus bin ich, sein Begleiter/ „Das mag wohl sein; doch was denn weiter? - So spricht des wüsten .Haufens Leiter. »Wir wollen unter uns nicht Juden leiden Und Semiten seid ihr doch auch, ihr Beiden. Wir kennen euch wohl! du nennst dich Pauluö; Aber im Grunde heißt du doch SauluS Und bist ein Jude und ein Semit, Den kein Germane gern bei sich sieht. Und du nennst Petrus dich auch pvr nefan. Du Judensprößling, du heißest Kephas Und eigentlich Simon Jouassohn. Wir kennen genau dich, du Patcon!" »Schmeißt SauluS und Jouassohn hinaus!- So schallt das Schreien durch's ganze Haus. Die Apostel werden —, geschlagen, geknufft Und gestoßen, — hinausgesetzt an die Luft. Dort sehen sie in die Ecke gedrückt Einen Juden stehen alt und gebückt. Und Paulus spricht: „Sag' uns sogleich, Wie viel giebt's Juden im deutschen Reich?" „Es mag eine halbe Million wohl sein." — »Und wie viel Christen?" fällt Paulus ein. — „Ich glaube, daß über vierzig Millionen Der Christen sind, die in Deutschland wohnen/ — „Und diese achtzigfache Zahl Sollt ihr bedrücken? Welch' ein Skandal!" —