Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 2 (August 1895)
- Article
- Was wir fordern!
- Date
- 1895-08-01
- Page
- 44 (sequence 2)
- Language
- German
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44 Im deutschen Reich. ist unser — Recht, unser Nt e n s ch e u r e ch t! Wir wollen nichts von der Ehre, die unfern Vorfahren gebührt; wir tragen unsere Ehre in uns selbst, und sie ist gegründet ans das, was wir sind, auf das, was wir wollen. Das Erbe unserer Vorfahren, soweit es Geist, Kraft, unsere Stärke oder unsere Schwäche ist: wir werfen es in die Wagschale w i e I h r, und ivir rufen Euch hinaus auf den Platz zu offenem, ehrlichem Kampf, zu friedlichem Wettbewerb, und der Sieg, wohin er auch falle, ein Sieg der Menschhcik, und der Erfolg, wem er auch wtuke, das Hei! der Gefainmtbcit. Aber ehrlich! Mensch gegen Mensch! Hinweg mit der Würde wie mit der Bürde unserer Vergangenheit! Nian hat uns gesagt: „Ihr könnt stolz sein auf Eure Vergangenheit!" Ich sage noch einmal: Weg damit! Wir brauchen kein Anlehen au» der Vergangenheit und keine Anklage aus ihr. Unser Gewassen ist unsere ('» egenwart und das W alle u unserer Zukunft. Und was Ihr uns heute vorwerft mit Recht oder mit Unrecht, das hat Euer Haß gesäet, und Euer Neid hat'ü begossen, und Eure Nachsucht hat's zur Frlicht gereift. Auf diesen krummbeinigen, rundnackigen Leibern liegt der Druck von Jahrhunderten; die kriechende Demuth, die hündische Feigheit — Eure Geißel hat sie gezüchtet; der stolze Hochmuth, die selbstgefällige Ueberhebung andererseits: ein Rettungsanker war's im Meer der Verzweiflung, eine Fata murgana, deren Urbild das messianische Jenseits. Als dann die Zeit kam und man die Juden frei machte vor dem Gesetz, da gabt Ihr uns als Pathengeschenk wiederum Euren Haß, uns, die wir dürsteten nach Liebe. Ihr gabt uns die Freiheit, aber Eure Freiheit war die des Tantalus, war nur die Aussicht ins Paradies des wahren Menschenthums; aber wehe der Hand, die sich danach auöftreckt, wehe dem Mund, der sich niederbeugt, um gu trinken! — Als wir das Ghetto hatten, da hatten wir unsere Liebe und unseren Haß, und nufere Liebe sing an hinter unseren Mauern, und wir chatten eine Stätte, da inan uns achtete als Menschen und Brüder. — Ihr legtet die Ghettomauern nieder, nun ist die Welt unser Gefängniß, und unser Martyrium beginnt mit unserem ersten Athemzug. Ihr vergiftet unsere Kindheit und füllt unser Gemüth mit Bitterkeit. — Da werden die einen von uns demüthig und feige, sie küssen die Hand, die sie schlägt und knien vor dem Fuß, der sie in