Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 1 (Juli 1895)
- Article
- Rogasen
- Date
- 1895-07-01
- Page
- 39 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 39 sondern immer wieder nur für Rußland arbeiten. Um so entschiedener müßte dann fteilich bei obiger Annahme auf mehr oder weniger engen Anschluß Polens an Deutschland gedrungen werden." Man sieht, diese Herren, welche sonst das Deutschthum als ihr Monopol betrachten und sich so oft über die angebliche „goldene Internationale der Juden" ereifern, sind nur sehr laue Freunde des Deutschthums in den Ostmarken, das sie lieber ganz aufgeben, als daß sie es Brust an Brust mit Juden verteidigen. Wo diese irgend in Frage kommen, zeigen sich die Pächter der nationalen Gesinnung seltsamer Weise stets international! * Dresden, 20. Mai. Eine in der hiesigen Martin Luther-Kirche am Charfreitag stattgehabte Aufführung des Rubinstein'schen „Christus" wurde von dem Musikreferenten Dr. Arthur Seidl als „ein schwerer Mißgriff" und als „eine Begehung des christlichen Hauptfestes im Spnagogenton" dargestellt. Der genannte Musikreferent fügte die Bemerkung hinzu: „Billig erstaunt muß man vor allem auch darüber sein, daß unsere kirchliche Aufsichtsbehörde anscheinend nicht den geringsten Einwand gegen diese — Entweihung des Tages oorzubringen hatte." — Die Musik, welche Rubinstein, der sich einst selbst mit Stolz „einen slavischen Semiten" genannt hat, zu dem geistlichen Drama Heinrich B u l t h a u p t s schrieb, wird jedenfalls anderwärts, nicht nur in Bremen, wo der geniale Verfasser des Dramas in hochangesehener Stellung lebt und wirkt, eine unbefangenere Würdigung sinden. * Leipzig, 26. Mai. Der hiesige Geschäftsführer der „Deutschen Turnerschaft", Dr. Ferd. Goetz, richtete an den Ersten Wiener Turnverein, welcher Slaven und Juden aus seiner Mitte ausschied, ein geharnischtes Schreiben, in welchem u. A. gesagt wird: „Ich habe Ihnen zu erklären, daß ich Ihren Kampf gegen das Judenthum schon im Allgemeinen nicht zu billigen vermag, daß in denselben, wie Sie ihn auf Kosten der Einigkeit treiben, für einen unerhörten Frevel am Deutschthum halte, und daß ich die Form, in die Sie den Kamps einkleiden, für eine durchaus unsittliche und geradezu empörende erkläre." — In der am 27. Mai in der hiesigen Centralhalle abgehaltenen Versammlung des deutsch-socialen Reformvereins verlangte Herr Liebermann von Sonnenburg vom Centrum, es solle nicht so ausgesprochene Judenfreunde in den Reichstag senden. Es sei eine Frechheit, wenn der Führer des Centrums, Herr Lieber, in einer in Süddeutschland gehaltenen Rede das Schächten mit dem Spenden der heiligen Sakramente auf eine Stufe gestellt habe, indem er erklärte, er würde weder gegen das eine, noch das andere zu haben sein. * Kreuznach, 20. Mai. Eine in der Berliner „Staatsbürger-Ztg." enthaltene, durch ihre Fassung zur Erregung von Erbitterung geeignete Mittheilung über die hier stattgehabten ungleichen Beerdigungen eines jüdischen