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Im deutschen Reich · 1895-07-01 · Heft 1 (Juli 1895) · p. 18

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 1 (Juli 1895)
Article
Aus Moritz Veits Leben
Date
1895-07-01
Page
18 (sequence 2)
Language
German
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18 3m deutschen Reich. Eine ganz andere Aufgabe verfolgen die Mittheilungen, die an dieser Stelle folgen sollen. Entsprechend dem Blatte, in dem sie ihre Veröffentlichung finden, sollen sie zeigen, wie ein seinem Glauben treu anhänglicher Jude, der für die religiösen und staatsbürgerlichen Jntereffen seiner Glaubensgenossen muthig eintrat, ganz und gar ein Deutscher war. Diesen deutschen Standpunkt vertrat Veit in dreifacher Weise: er widmete seine Dienste in erfolgreichster Art seiner Vaterstadt; er betheiligte sich ferner lebhaft an dem Ausbau politischer Zustände und nahm unter seinen Mitarbeitern, den Anhängern gemäßigter freisinniger Anschauung eine hochangesehene Stellung ein; er stand endlich in ununterbrochenem Verkehr, der häufig genug aus guter Bekanntschaft zu großer Intimität erwuchs, mit deutschen Schriftstellern und Gelehrten. Vielleicht gelingt es an anderm Orte ein Bild von der kommunalen und politischen Thätigkeit zu zeichnen; hier sei nur von dieser literarischen Thätigkeit gesprochen. Veit's dichterische Versuche und seine Beziehungen zu Schriftstellern beginnen sehr früh. Er war zwar kein Wunderkind, aber ein geistig angeregter frischer Mensch; das Diciiten aber steckte in Berlin in den zwanziger Jahren förmlich Jedem im Blute. Dazu kam, daß sein Vater Philipp Veit (1759—1839) ein vermögender Großkaufmann war, unterrichtet und gebildet, der ein Haus ausmachte und grade die Mitstrebenden seines Sohnes gern um sich versammelte. Jeden Donnerstag Abend fand sich eine literarische Genossenschaft in dem Hause zusammen. Zur Charakteristik dieses geselligen Treibens dient ein Zettelchen, das sich im Nachlasse erhalten hat. Es führt den Titel: „Zodiakus des Veit'scken Hauses 1825" und hat folgenden Wortlaut: Waage- Herr Philipp Veit, Stier °— Herr Hilmar, Löwe — Prof. Gans, Jungfrau — Herr Joseph Lehmann, Zwillinge — Herr Moritz Veit und Hilmar jun., Scorpion — Herr Mahlo, Steinböck — Herr Udo Veit, Schütze — Herr Studiosus Maximilian Heine, Krebs — Herr Lessmann, Wassermann — Herr Veit 2, Widder — Herr Dr. Schöneberg, Fische — Herr Dr. Rosenheim, sämmtlich Mitarbeiter an der Narrenzeitung. Von der letzterwähnten Zeitung, die jedenfalls ein scherzhaftes Unternehmen des Familienkreises war, ist, wie es scheint, nichts erhalten geblieben. Der Kreis, dessen Mitglieder oben erwähnt

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