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Im deutschen Reich · 1895-07-01 · Heft 1 (Juli 1895) · p. 12

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 1 (Juli 1895)
Article
Familien-Geschichten
Date
1895-07-01
Page
12 (sequence 6)
Language
German
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12 3m deutschen Reich. Freilich hört man zuweilen beschönigend sagen: „Es ist ja ein Opfer zu höherem Zweck; wir sind Deutsche, wollen es ganz sein, dazu gehört auch der Glaubenswechsel." Man hört es nicht oft, weit nicht Jeder, der untreu geworden, auch noch den traurigen Muth hat, diese Handlungsweise mit einer unwahren Anschuldigung gegen die Treugebliebenen zu krönen. Der jüdische Glaube hat noch keinen gehindert, sich als Deutscher zu fühlen — wer es anders sagt, kennt diesen Glauben mdit oder spricht mit Absicht unwahr. Hinter der Phrase vom „Opfer zuni höheren Zweck" birgt sie» die nackte Selbstsucht; das ist die Wahrheit. Gewih, Deutsche sind wir, wolleu es ganz sein, und kein erlittenes Unrecht, kein Hohnruf der Gegner kann und darf uns davon abdrängen. Das soll dem Antisemitismus nicht gelingen, aber noch welliger jenen, Gottlob vereinzelte» Stimmen in unseren eigeneir Reihen, die aus Verbitterung sagen: „Will man uns nicht als Deutsche gelten lassen, wohlan — so werden wir wieder National-Judeil", oder gar in das Feldgeschrei der Gegner einstimmen: „Nun ja, wir sind eine Nation!" Wir sind's nicht, und diese Familien- Geschichte eines Einzelnen beweist es, wie es unzählige andere Familien-Geschichten beweisen könnten. Wir stehen im deutschen Lager, sind Deutsche und richten Andere eine Scheidewand auf, so wollen wir nicht mit Ausgabe idealer Güter den Zugang zu diesem angeblichen Nein-Deutschthum gewinnen. Etwas Anderes und Höheres haben wir zu vollbringen: immer wieder durch die That zu erweisen, daß jene Scheidewand eine künstliche ist, es auch, so weit es irgend nöthig ist, durch die Arbeit an uns selbst zu erweisen. Die Selbstkritik, die Arbeit an uns selbst darf auch in diesen düsteren Tagen nicht aufhören und ebensowenig unsere - unverbitterte Liebe und Treue sür unser deutsches Volk. In diesem Sinn wollen und werden wir Deutsche sein und bleiben! Karl Emil Franzos.

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