Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 1 (Juli 1895)
- Article
- Ein Wort zur Einführung
- Date
- 1895-07-01
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Lin Wort der Einführung. 3 fluß hoffen und harren, daß durch stille Einordnung in Gruppen und Fraktionen, die nach dem zwingenden Worte eines starren Programms, nicht nach der inneren Stimme der Gerechtigkeit und der Neigung, vielleicht ohne Haß, aber auch ohne Gunst, der Gegner allzu eifernden Ansturm, wo es ihnen von Vortheil erscheint, zurückweisen — noch immer können Juden glauben, daß durch die geduldige Entgegennahme aller Kränkungen und Schädigungen der Sache, die wir verfechten, nicht erdulden sollten, am besten gedient sei. Und doch erstreben wir es mit heißem Bemüh'n, daß unsere Vereinigung zur ausnahmslosen Gesammtheit aller deutschen Juden werde. Darum ergeht nun auf's Neue der Ruf zum Sammeln; und als eine neue Fanfare soll diese Zeitschrift dienen, die deutschen Juden zusammenzurufen zu gemeinsamem Schutz und Trutz, zur Selbstvertheidigung, zur Selbsthülfe. Die Ziele, zu welchen der Weg sich wendet, im Einzelnen klar zu legen, ist nicht vonnöthen. Sie sind bekannt. Was aber für das Beginnen vornehmlich fehlte, war ein einigendes Band, die Schaffung eines äußerlichen Zusammenhanges unter uns; denn wir konnten bisher nicht mit einander reden. Fortan ist ein Gedankenaustausch ermöglicht; fortan kann Jeder hören, was geschieht, was erstrebt wird, kann Jeder mit den Freunden, mit Allen reden. Und wenn diese Erörterungen weithin vernommen werden, desto besser. Wir haben nichts zu verheimlichen. Das ist jagerade dasWesen dieser Vereinigung, daß ein Jeder von uns, ob er nun auf der Höhe des Lebens wandelt oder mühselig und beladen ist, ob er gläubig zum Himmel ausblickt oder sein Leben nach den Gesetzen einer eigenen Sittlichkeit regelt, ob er ein grübelnder Schriftgelehrter ist oder ein einfaches Kind der Welt, ob er willig und gern die Herrschaft der Einen im Staate anerkennt oder selber Mitwirken möchte zum Wähle des Ganzen — daß ein Jeder von uns mitarbeite an dem Werke der Selbstvertheidigung. Er wird es jetzt mit Hülfe dieser Zeitschrift können. Er wird fortan die Möglichkeit haben, die Sache der Gesammtheit, die seine eigene ist, zu führen. ' Die schwere Sünde der Unterlassung, die wir Alle bisher begangen haben, fängt schon an sich zu rächen. Immer schärfer werden, immer unfreundlicher die Anschauungen über uns. Immer allgemeiner wird der Brauch nicht nur, sondern, ach, auch die