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Im deutschen Reich · 1895-07-01 · Heft 1 (Juli 1895) · p. 2

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 1 (Juli 1895)
Article
Ein Wort zur Einführung
Date
1895-07-01
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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2 3m deutschen Reich. um nachzusckauen. Da war nichts Fremdes, nichts Geheimnißvolles darinnen; nur ein Wort stand geschrieben: „Hundsfott, wehr' Dich!" Auch die deutschen Juden befinden sich in einem Kriege, der abermals ein dreißigjähriger zu werden droht. Auch sie fangen endlich an, nach einem Amulet, einem Talisman auszuschauen, der ihnen hilft, die Noth der Zeit zu überstehen. Aber es waren bisher immer fremde Fahnen, denen sie folgten, nie das eigene sanier. Und doch ist noch niemals eine Sache siegreich anders verfochten worden, als von denen selber, die sie anging. Und doch ist niemals einer Vertheidigung Achtung und Antheilnahme gewonnen worden, wenn sie nicht mit dem eigenen Einsetzen der Persönlichkeit geführt worden ist. Und noch niemals durften Geschmähte und Gekränkte weiter erhobenen Hauptes durch die Reihen ihrer Mitbürger schreiten, wenn sie eine Beleidigung, einen Angriff nicht selber zurückzuweisen Neigung oder auch Muth hatten. Nemo me impune lacessit — Keiner reizt mich ungestraft —, muß für jeden und jeden Freien, nicht etwa nur für die Edelsten, ein erster Grundsatz der Lebensführung sein. Und so ist es nützlich, so ist es nothwendig, daß endlich nun an die deutschen Juden der laute Ruf ergeht: „Wehrt Euch!" Die Vereinigung, deren Ideen dieses Blatt hier dienen soll, die Männer, welche sie vertreten dürfen, haben vom ersten Anbeginn ihrer gern geübten Thätigkeit auf die Pflicht der Selbstvertheidigung als der einzigen zuverlässigen Waffe, die heute noch frommen kann, die deutschen Juden immer und immer hingewiesen. Und dieser Appell ist nicht ungehört verhallt. Bon Tag zu Tage mehrt sich die Vereinigung, wächst die Zahl Derer, welche aus der harten Nothwendigkeit die Erkenntniß gewinnen, daß die beste Deckung der Hieb ist. Aber noch immer sind es nicht Alle, bis auf den letzten Mann. Noch immer stehen zögernd eine Reihe von Deutschen jüdischen Glaubens zur Seite, welche meinen, daß sie Anderen ihre Vertheidigung überlassen dürfen. Noch immer sind deutsche Juden der stillschweigenden Ansicht, sie persönlich seien ja nickst gemeint und getroffen, sie denen es gut geht. Noch immer lastet auf Manchem die thörichte Furcht, nur keinen Staub auszuwirbeln, mit keinem der Mächtigen, der Wortführer im Volke, es zu verderben. Noch immer können Juden von Beziehungen und Ein-

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