Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd. 1 H. (1809)
- Article
- Über Literatur der Israeliten in den kaiserl. österreichischen Staaten im letzen Decenio des achtzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 8)
- Language
- German
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Vernunft anzupassen. Ucberhaupt bemühtteer sich, seineu Lesern Helle und aufgeklärte Begriffe über Gottesdienst, einem Rabbi, dcc dieses alles wörtlich annahm, und cs mir den physischen Erscheinungen in der Welt tombiiürcu wollte, in einer öffentlichen Predigt Ertlärungen, wovon ihm bis jetzt noch feine Ohren gellen. Man erlaube Referenten eineAnmerkung, die er bei almlicher Gelegenheit (man sehe die Annalen der österrcichischeu Literatur und Kunst von 18O5. S. 126.) anqebracht har, hier zu wiederholen. Das; nämlich die Erklarer des Talmuds srch wohl in Acht nehmen sollten, Sentenzen dieser 2irr und) ihrem buchstäblichen Sinne zu crtuiijt, oder gar sie den Erscheinungen in der Natur a,!passen zu wellen. Die Talmudisten hatten, so wie die meisten Weisen der Vorzeit, die Gewohnheit, ihre Grundsätze und Lehren in Allegorien cinzutleiden, und über ihre Maximen den Schleier geheimer und nucigeurlicher?Lusdrücke zu ziehen, welchen nur jener Schüler zu lüften im Stande war, dem zugleich auch der Schlüssel hierzu von seinem Lehrer gereicht wurde. So lange nun diese Maximen durch wörtliche Uebertieferungcn von Mund zu Mund gingen, blieb größtenthcils Rathsel und Auflösung beisammen,, und auch nutz-und anwendbar. Seit jener Zeit hingegen, wo auch die Israeliten ansingen (nach dem Ausdrucke Mendcläfohne) Liiemii, B u ch st a b e n m e n sch e tt zu werden , das Heist, größtenteils durch Schriften einander ihre Gedanken mirzutheilen, und gleichsam mit Den?Lugen zu hören, auch N. Abi na-."und R. Afchy diese Maximen unter den übrigen Sprüchen der Talnmdisten sammelten und dem schriftlichen Talmud einverlerbren, da verflog der Geist derselben, und es blieb nur die Hülle. Wer vermag nun jetzt den Knoten zu lö;en, wer die harte Schate zu zerbrechen und den darin verborgenen Kern uns genießbar darzureichen? Man muß also diese Sentenzen, Sagen und Erzählungen nie nach dem buchstäblichen Sinne nehmen, noch wemger sie als Motive zu physischen Erscheinungen anbrin- - ,.Leu wollen. Diejenigen, die es aber dennoch thun, und dadurch die Ehre der Talmudiffen zu retten wäb- H. Iahrg. 2. Band. D