Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1808)
- Article
- Die Stimme der Menschheit
- Date
- 1808-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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!97 III. Die Stimme der Menschheit. Gewiß ist es das angenehmste Gefühl, das sich unserer für das Gute noch empfänglichen Herzen bemächtigen kanndiesen oder jenen Edlen zu sehen, wie cr seinem trauervollen, sinkenden Druder eine freundliche Hand bictct, um ihn zu trösten, ihn aufzurichten; Augenzeuge;u scyn, wie er mit einem Halbvcrlechztcn, der sich auf seinen Wandermrgen noch weit von dem Quell, der seinen brennenden Durst loschen könnte, befindet, den eignen, vielleicht nur für sich selbst ersparten Labetrunk mitleidsvoll theilet. Mit einem Wohlgefallen , das nur Engel empfinden, ruht der Blick des Menschenfreundes auf solchen Handlungen, von denen er auch selbst schon ähnliche verrichtet hat: sie bringen Erinnerungen in seiner Seele hervor, die ihm sein schon Dollselben darin btirustehen und sie zu unterstützen sucht. Auch ist es die Pflicht eines jeden Juden, in der Synagoge wenigstens, den Vorgesetzten mit Achtung zu begegnen, und sich den cingefübrrcn Gebrauchen gemäß zu bcncbmen, bis vielleicht einst eine andere bessere, dem Zcitgciste angemessenere Norm von der ganzen Gemeinde angenommen feyn wird. Die strikte Observanz, weshalb die ebenangeführke Streitigkeit entstanden ist, findet übrigens in mehreren jüdischen Gemeinden, als z. B. in Halberstadt, Deßas und überhaupt im nördlichen Deutschland, nicht mehr statt. Doch, ländlich: sittlich, sagt das Sprichwort. D. Herausg.