Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 2. Bd 5 H. (1807)
- Article
- Etwas über das Leben und den Charakter des Kaisers Titus; oder: der Widerspruch in den Traditionen
- Date
- 1807-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 2)
- Language
- German
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»82 pfen sich im Lobe dieses Helden, und beweinen noch jetzt seinen zu frühen Tod. Was soll indessen der denkende, über alles Dorurthcil sich zwar hinwegsctzende Jude, dem aber der schreckliche Unfall seines ehemaligen Vaterlandes nicht gleichgültig ftyn kann und darf, von Titus denken und empfinden? Soll er ihm fluchen? Er war ja das Werkzeug Gottes, das volle Sündenmaaß der Tyrancn zu Jerusalem zu bestrafen; er war der treue Diener seines Staates, das folgsame Kind seines kaiserlichen Vaters r er war ein Held als Jüngling, ein weiser Regent als Mann; war großmüthig gegen seine bittersten Feinde, die ihm in Rom nach dem Leben trachteten; schätzte das Verdienst, und überhäufte den Joseph ns mit Geschenken und Ehrenbezeugungen. Soll er ihn segnen? Ach, er ist der Urheber unsres Unglücks! er hat die Zierde Israels, den prachtvollen Tempel zu Jerusalem nicht ganz ohne eigne Schuld verbrennen lassen; er hat uns aus einem Lande, dessen Berge und Fluren die amsige Hand unsrer Vorfahren, nach dem Zeugniß aller Geschichtsschreiber des Alterthums, viele Jahrhunderte hindurch urbar und fruchtbar machte, in fremde Lander zu fremden Zungen und Sprachen geschleppt r er hat uns zu Sklaven gemacht, oder — was noch viel schlimmer ist—er hat uns von dem Stande der Thätigkeit und Nützlichkeit in einen Stand der Unbrauchbarkeit und Fahrlaßigkeit versetzt. Ach, er hat uns auf immer unglücklich gemacht! Ein Zeitraum von zweitausend Jahren vermochte nicht Älenschcn mit Menschen von verschiedener Ermüthsart, von verschiedenen Religionen und Sitten zu vereinm. Und wenn auch zwischen eiuigm Auserwählten unsrer und anderer Nationen eine Harmonie zu - . ' ftyn