Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 2. Bd 4 H. (1807)
- Article
- Über den Hang das Gesetz zu übertreten, oder über den Reiz gegen Verbote zu handeln
- Date
- 1807-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 17)
- Language
- German
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*74 — und tvcr weiß nicht, was Gewöhnung vermag— so sind die nothwendigen Folgen entweder eine völlig sklavische, ohne allen Sclbsithatigkeitstricb vcgetircnde Maschine, schlimmer als ein Thier, oder Verstecktheit des Charakters, Hinterlist, eine heimlich aufRanke sinnende Gemüthsart, Mangel an Offenheit, Liebe, Geradheit, Biederkeit. Noch ein drittes ist denkbar. Bei feurigen Temperamenten kann leicht in der Kindheit Ungezogenheit, unüberwindlicher Starrsinn, Ausgelassenheit, die Folge von einer solchen Erziehung seyn, welche Eigenschaften in der Zukunft in Revoluticnsgcist, Zügellosigkeit ausartcn können. Schließlich will ich den Hauptinhalt dieser Abhandlung in folgende Satze zusammen drangen: Der Mensch soll keine ändere Herrschaft über jtd) erkennen, als die der Vernunft, mithin ist jedes Gehorchen, wenn cs nicht ein ftlbstrhatiges, durch den freien Entschluß der urtheilcndcn Vernunft bewirktes Handeln, d. h. die Aeußerung seines eignen, durch die vernünftige Ueberzrugung bestimmten Willens ist, widernatürlich, unmenschlich; wenn aber Sclbsithatigkeit und freier Wille das Prinzip seiner sittlichen Natur ist, so muß er dazu erzogen werden, damit er seine Bestimmung nicht verfehle, folglich jener Trieb — gedacht als das erste Erwachen dieser freien Selbstthatigkeit, schon im Kinde weise entwickelt und geleitet werde, welches dadurch, wie schon erwiesen, geschieht, daß das .Kind so wenig als möglich wisse, es gehorche einer fremden Willkühr; welcher Zweck aber wieder nur dadurch - erreicht werden kann , daß man dasselbe: mit den Umgebungen seiner Außenwelt in ein solches Verhälmiß bringe, daß es auch, unbeschadet seines physischen und moralischen Wohls nach eignem Gefallen Mi-