Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 2. Bd 4 H. (1807)
- Article
- Über die Vereinigung der Religion mit den Wissenschaften
- Date
- 1807-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 2)
- Language
- German
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»5» nunstbegrissc. Cie stützt sich!war auf Autorität, bcrmeidct alle abstrakten Vorstellungen und hüllet sich in ein asihctisches Gewand, das ihr die Phantasie verleihe:; allein sie setzt doch Vcrnunftbcgriffe voraus und sucht nur die durch die Vernunft nothwendigcn und ewigen Wahrhcitm durch sinnliche Darstellungen noch mehr hervor zu heben. Die wesentlichen Bestandthcile derselben i der Glaube an Gott, Vorsehung, Unsterblichkeit und Vergeltung, können nicht eher und besser begründet werden, als wenn die Vernunft mit der Entscheidung des Gewissens gleichlautend wird; nur alsdann erst bestimmen sic den Menschen ja guten Handlungen; nur alsdann erst betrachtet er die von der Religion vorgcschr,ebenen Gebote als Gottes Willen, von deren Befolgung oder Ucbertrctung entweder sein zeitliches rmd ewiges Glück oder Elend abhangt- Ohne vernünsti» ges Nachdenken, ohne gehöriges Prüfen der moralischen ' Prädikate der Gottheit, denen der Mensch soviel als möglach nachstreben soll, ist er stets in Gefahr, entweder von Vorurthcilcn und Aberglauben geleitet, selbst unmoralische Thaten als göttliche Gebote geltend zu machm, oder wenn er in das Gedränge der Leidenschaften kommt, der Sirenenstimme der Wohllust, die oft das betäubte Gewissen erstickt, zu gehorchen. Der Mensch bleibt immer sein eigener Gesetzgeber, sein eigener Richter, der am leichtesten bestochen werden kann. Das Gewissen zürnt, drohet, straft; aber ein.bloßes vielleicht kann die Wirksamkeit desselben . bald vernichten. Und wie leicht grrathen nicht unbestrafte Vergehungen in Vergessenheit. Wie ganz anders lautet aber die Sprache des Gewissens, wenn die Vernunft zugleich den Willen Gottes verkündiget, und bei dem hefti- ,, ' - ' r ׳ gen