Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 4 H. (10.1806)
- Article
- Über die vornehmsten Ursachen des ehemaligen Verfolgungsgeistes in der Religion
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 14)
- Language
- German
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Eine Religion, Ein Geist der Liebe und dcrSanstmuch würde auf. der Erde herrschen und das verlorne Paradies auf ihre Gefilde znrückrufcnDie Namen Inden , Christen, Muhamcdaner, Heiden würden ihre Bewohner nicht mehr trennen; jeder würde in dem andern nur den Menscl)<n, das Kind des ewigen Varers, den Erben künftiger Selig-- feit sehen, und in Erfüllung seiner Pflichten gegen ihn das höchste Ideal alles dessen finden, was die Religion von ihm fodert. ~ Möge sie einst erscheinen, diese herrliche Zeit, wo nic5)i nur keine Intoleranz gegen 'Andersdenkende mehr gefunden wird, wo selbst der Begriff von Toleranz und Duldung mit dem Worte aus der Sprache und demDcnksysicm verschwindet. Denn jemand dulden oder tolerire» zeigt immer an, daß ich eigentlich das Recht habe, das Gegcutheil zu thun, aus besonderer Großmuth aber Gnade für Recht ergehen laße. Nein, auch Toleranz muß nicht mehr auf der Erde scyn, denn sie setzt immer die Möglich, keit des Gegcnthcils voraus. Sie macht das zu einer Gnade, was nur unerläßliche Pflicht ist, was gar nicht anders scyn sollte; sie macht aus dem freien Menschen tincti Untergebenen; sie ist Hochvcrrath an der Sache der Menschheit, eine Beleidigung Gottes, der ohne allen Unterschied seine Sonne aufgehen und seinen Regen strömen laßt über Gerechte und Ungerechte, über Gute und Böse, über solche, die im Besitze der scligmachenden Religion sich wahnen, und über solche, die sie davon für ausgeschlossen halten. Ja, dahin muß es endlich mit der Menschheit kommen, wenn sie wirklich auf ächte Aufklärung Anspruch machen, wenn sie das große Ziel der Humanität erreichen will, nach dem zu ringen ihre Bestimmung, der Wille ihres lli Iahra. r.Band. 3 gro«.