Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 4 H. (10.1806)
- Article
- Briefe an den Herausgeber der Sulamith
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 2)
- Language
- German
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Lebens, den Glauben an sich selbst und. an die Menschheit nicht verliert, der den Frieden GottcS in seinem Innern tragt, und sich durch göttliche Kraft belebt, über die Erscheinungen der Welt erhaben fühlt. Mag cS dann brau» sie» tosen und stürmen, mag auch das Friedlichste verwildern, und das Sanfteste sich entzweien — das wird zwar sein Herz mit Wehmuth füllen, wird scineiu Auge «ine Throne des Mitleids entlocken, und seinen Sinn ernster und vcrschlosiner machen: aber die Ruhe der Seele, den schönen Einklang seiner Geisteskräfte wird cs nicht stöhren; denn er lebt in einem glücklichen Einversiandniß mit sich selbst, er kennt höhere Güter, dic ihm ewig bleiben, die ihm kein Zufall rauben kann. Diese Festigkeit und Starke der Seele giebt dem Menschen einzig Werth. Eie sichert ihn unter allen Umstanden des Lebens vor banger Furcht, die die schönsten Kräfte des Geistes aufzchrt, vor wilder Verzweiflung, die das schöne Bild der ewigen Gottheit im sterblichen Mensche» grausain entstellt, vor leeren Hoffnungen j die uns, wie tauschende Irrlichter hierhin und dorthin locken und uns zuletzt in seichte, sumpfigtr Gegenden führen. Der Zweck aller Erziehung und Mcnschenbildung stritte auf Festigkeit des Charakters, auf Energie der Seele gerichtet styn, damit der Mensch in dm Tagen der Noch und der Trübsal etwas habe, woran er sich halte, damit er lerne aequam fervare meutern rebus in arduis *), damit er dann nicht gedankenlos die Hände in den Schoost lege, und die jämmerliche Rolle des Leidenden und Duldende» *) Gleichmukh auch unter den schwierigsten Umstanden, zu behalte«. ’ 2>. Heraus-.'