Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band viertes Heft
- Article
- Ideen zu einer Geschichte des mosaisch-jüdischen Gesetzes
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 2)
- Language
- German
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227 im Einzelnen, für denjenigen nicht nur Interesse haben, sondern sogar von der höchsten Wichtigkeit sein, der sich von dem, was er als Jude zu leisten hat, durchdrungen fühlt; der da weiß, daß das Judenthum eben so wenig ein seit Jahrtausenden Verstorbenes, Aufgelöstes, dis eine chinesische Mauer ist, die dazu dienen soll, seine Bekenner gegen alle äußere Einflüsse der Wissenschaft und der Zeit abzuschließen. Daß das Erstcre nicht der Fall ist, widerlegt nicht nur die Gegenwart, sondern auch diese mehr als tausendjährige Erfahrung. Wofür so viele Generationen ihr Blut vergossen, wofür sie ihr Leben, sei es dem Scheiterhaufen, sei es dem Henkerbeile, sei cs der Verbannung, sei es dem langsam tödtendcn Gifte der Verachtung und Bedrückung, Hingaben; was während eines so langen Zeitraumes einen Haufen über alle Länder hin zerstreuter, hülfloser, von keinem irdischen Schutze geborgener Menschen fest zusammenhielt, was sie durch die flüstern Jahrhunderte der Barbarei und des Menschenhasses hindurchleitete und einer bessern Zeit rettete, das kann nichts für den menschlichen Geist Abgestorbenes sein, es muß vielmehr ein, wenn auch gegen die rauhe Außenwelt tief geborgenes, Lebensprinzip enthalten, das nur von demjenigen geleugnet werden kann, der mit dem Worte zu tödten vermeint, da er cs mit der Faust nicht mehr vermag, oder der den Fortbestand des Judenthums durch den mystischen Schleier einer fabelhaft gewordenen, sogenannten christlichen Weltanschauung betrachtet. Daß aber dieses Prinzip ein wahrhaftes Lebensprinzip ist; daß während der langen winterlichen Erstarrung gegen Außen die innere Kraft nie aufgehört hat thätig zu sein; daß — mit einem Worte zu sagen — das Judenthum sich stets fortcntwickelt hat und noch weiter entwickeln wird, das ist es, was selbst von einem großen Thcil der Bekenner desselben, sei cs aus Unwissenheit, sei es aus Trägheit, sei cs aus Heuchelei, in Abrede gestellt wird. Es kann der Zweck der folgenden Zeilen nicht sein, diese fortschreitende