Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band zweites Heft
- Article
- Literatur [Rezension]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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95 ״Reiseskizzcn aus Rußland und Polen" insoweit cs die dortigen Israeliten betrifft, hier Einiges, zumLheil von uns berichtigt, mitzutheilen. --״Wo cs keine Synagoge gicht, dient gewöhn-!ich eine Schenke zum Versammlungsort" (wahricheimich weil dicß ihr geräumigstes Lokal in solchen armseligen Dörfern ist); hier kommen nur die Männer zusammen. Sobald die Stunde des Gebets gekommen ist, umwinden sie die entblößte rechte (linke) Hand mit einem Riemen, binden an die Stirne kleine schwarze Bundesladen (?) und werfen über die Schulter eine weiße Tuchdccke (wird wohl bloß eine wollene, oder seidene Decke sein. Was hier von den Surnen und den Bundesladen gesagt wird, ist von den bckannten, bei Rabbinistischcn Israeliten aller Lander während der Morgengcbetc an den Werktagen üblichen Tcsillin, oder Dcnkriemcn und Stirnbinden gemeint, bezieht sich auf die Stelle im Pentateuch 5. Mos. 6, 6, und ist demnach auch in Deutschland für christliche Leser nichts Neues und Merkwürdiges). Jeder der Betenden hält eine Bibel (soll wohl: Gebetbuch heißen,) in der Hand, beginnt das Lesen mit Geflüster und geht dann allmählich zu stärkeren Tönen über, die einem Geheul gleichen. Diese Ccremonie des Gebets wiederholt sich am Sabbath, und fängt nun (?) Morgens an. OJCm Sabbath legen die Juden ja aber bekanntlich bei ihren Gebeten keine Denkricmen an, und diese Ceremonie findet auch fast an allen andern Werkeltagen nur Morgens Statt). Den Rest des Tages widmen die Juden der Ruhe, indem sie selbst die Handlungen der Frömmigkcit (?) als durch das göttliche Gesetz verboten ansehen. Nun wird das bekannte Costume der polnischen Juden bcschrieben und sie selbst werden wie folgt geschildert: ״Schwarze Haare mit langen Locken, als wären sie sorgfältig aufgcrollt, und kleine, unaufhörlich sich drehende Augen sind die letzten Reste der orientalischen Physiognomie der dortigen Juden, aber die Körpergcstalt ist (allgemein?) hager und