Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang erster Band fünftes Heft
- Article
- Altes und Neues
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 4)
- Language
- German
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281 indem er behauptete, der Jude habe das Mädchen ge-- schlachtet, weil er zur Mehrung seines Reichthums (?) Christenblut trinken müsse! Der arme geängstigte Dienst- Herr des Mädchens mochte seine Unschuld betheuern so viel er wollte, der Vater blieb dabei, daß das Mädchen geschlachtet sei, und würde dem bedrängten Manne das Garausgemacht haben, wenn sich nicht die landräthliche Be- Hörde ins Mittel geschlagen hätte. Es wurde sofort nach Danzig geschickt, um dort Erkundigung einzuziehen, ob das Mädchen etwa.gesehen worden sei, und von hier traf sehr bald, zum Glück für den angeblichen Christenbluttrinker, die Nachricht ein, daß das Mädchen allerdings eingetroffen/ und wegen Mangel eines Passes bereits auf dem Rückwege nach ihrer Heimath sei. — Diese Geschichte spielt im Jahre 1837!" Traurig ist es allerdings, daß in unseren Tagen solche Vorurtheile, welche doch schon vor Jahrhunderten gründlich widerlegt und bekämpft wurden und die man längst verschwunden glaubte, selbst unter einzelnen christlichen Mitbrüdern noch herrschen können. Welcher schreckliche Unsinn! Schon Menasse den Israel bewies' die Nichtigkcit dieser Beschuldigungen mit wenigen einfachen Worten, daß nämlich dem Israeliten nach dem mosaischen Gesetze, welches in diesem Punkte von den Talmüdisten noch ausgedehnter eingeschärft wird, der Genuß des Blutes auf״ das Strengste und vielfältig verboten sei; und heißt es denn'nicht auch in den zehn Geboten: ״Du sollst nicht morden?" Wird hierbei etwa die Ermordung eines Nichtisraeliten gestattet; und heißt es nicht vielmehr ausdrücklich in den Büchern Mosis: ״wer Menschenblut vergießet, dessen Blut soll Meder vergossen werden?" Höchst schmerzlich ist cs, noch im Jahre!837 diese Gründe gegen eine solche mittelalterliche boshafte Erdichtung und Beschuldigung anführen zu müssen! —