Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang erster Band viertes Heft
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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266 nen Zöglinge eröffnet. Den Einweihungsakt begann ein, von der Orgel begleiteter vollständiger Chor: ״In tiefer Andacht beugen wir, Allheiliger! uns jetzt vor Dir, Dein theures Wort zu hören." u. s. w. Hierauf betrat der als öffentlicher Religionslehrer verdienstvolle Doktor der Rechte und der Philosophie, Herr Wcllfgang Wessely, die Kanzel, und hielt eine eben so gediegene, als erbauliche Rede über Zweck und Vortheil der Kleinkinderbewahr- Anstalten überhaupt, und insbesondere für die armen Kinder der hiesigen Judengemeinde. Er knüpfte die einzelnen Momente seiner Erbauungsrede an den glücklich gewählten Text aus Jesaia (29, 22.): ״Fortan soll Jakob nicht mehr zu Schanden werden, und sein Antlitz soll sich nicht mehr schämen; denn wenn sie sehen werden ihre Kinder, die Werke meiner Hände unter ihnen, werden sie meinen Namen hei- Ligen. — Die, so irrigen Geistes sind, werden Verstand annehmen, und die Schwätzer (heftigen Gemüthes). werden sich belehren lassen." Die Stelle, in welcher der Redner die Armuth der nieder» Volksklasse seiner Gemeinde berührte, brachte in der ganzen Versammlung eine tief eingreifende sichtliche Wirkung hervor. Auf die Predigt folgte ein zweiter Chorgesang. ״Der Herr ist Gott und keiner mehr! Frohlockt Ihm alle Frommen!" u. s. w. Hierauf wurde die schönste Strophe der österreichischen Nationalhymne abgesungen. Bei den bedeutungsvollsten Worten traten Seine Excellenz, der Herr Oberstburggraf, von dem die erste Anregung zu Kleinkinderbewahr-Anstalten Ln Böhmen ausging, und der auch der Israelitischen fortwährend seinen besonderen'Schutz angedeihen läßt, zur Freude aller Versammelten in den Saal. Es erfolgte nun die erste Prüfung der Zöglinge. Se. Excellenz, der Herr Oberstburggraf, der Herr Appellationsrath und Prager Bürgermeister, Ritter von Sporschil, der Herr Prälat und Domscholaster Rau ch, die versammelten Vorsteher und Wohlthäter des Instituts, und das Lehrpersonale der Jsraelitischen Normalschule, so wie das übrige geladene Publikum schenkten den Antworten dieser Kleinen die vollste freudigste Theilnähme, um so mehr, als diese Anstalt erst im September vorigen Jahres eingesührt wurde. Sie zahlt bereits hundert. Kinder, und so wohlthätig wirkende Mitglieder, daß am 19. selbst die ärmsten Zöglinge in reinlichen Kleidern erschienen. Gewiß hat