Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang erster Band viertes Heft
- Article
- Etwas über die Juden in Algier
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 2)
- Language
- German
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— 216 — telklasse, kleiden sich wie die Europäer; die armem tragen noch den alttestamentarischen (?) Bart, eine Jacke nebst Beinkleidern, welche denen der Mauren ähnlich sind, und statt des Turbans eine Plattmütze. Die Rabbiner und die übrigen Beamteten unter ihnen kleiden sich ebenfalls in Israelitische Tracht, Ihre Weiber gehen nicht verschleiert, wie die Maurinnen, *) zeichnen sich aber durch noch größere Liebe zum Putz aus. In ihren weit über den Rücken hinabhängenden Mützen von vergoldetem Draht sehen sie fast aus wie jene Insekten, welche man gewöhnlich Wasserjungfern nennt. Ich wohnte an einem Sonnabend der großen Gedächtnißfeier des Durchzugs ihrer Voreltern durch die Wüste bei. Bei dieser Gelegenheit errichten die Juden auf den flachen Dächern ihrer Häuser Lauben von Baumzweigen, in denen sieben Tage nach einander Männer, Wer'ber und Kinder in ihren besten Kleidern Abends bei Fackelschein Festen beiwohnen. **) Von der Terrasse des Herrn Descousse, welche eine herrliche Aussicht auf 50 Meilen im Umkreise beherrscht, habe ich dieser Festlichkeit der Kin- . *) Weil dies überhaupt keine jüdische Religiönsvorschrist ist. D. H. **) Der Verfasser spricht hier vom Israelitischen Laubhüttenfeste , welches doch auch in Europa von den Israeliten der Hauptsache nach eben so gefeiert wird, nur daß hier die Laubhütten nicht, wie in Afrika, auf den Dächern, sondern in Höfen und Gärten errichtet werden. Solche Neuigkeiten klingen oft sonderbar. So wurde z. B. im vorigen Jahre m der Spenerschen Berliner Zeitung als eine seltsame Neuigkeit von einem Missionair erzählt, welcher beim Ausgange des Sabbaths beim Rabbiner zu Tunis gewisse Eercmonien verrichten sähe, welche genau beschrieben wurden und die der Herr Missionair doch an jedem Sabbaths-Ausgange in allen Synagogen und bei einzelnen frommen jüdischen Familien in Deutschland auf eben dieselbe Weise hätte verrichten sehen können, mit Ausnahme einer kleinen Nebensache, die der vielgläubige tunesische Rabbiner noch nach kabbalistischer und mystischer Meise hinzufügte und daß derselbe in seiner frommen Un-