Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang erster Band drittes Heft
- Article
- Literatur [Nachricht]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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zu Derstände gekommen bin, ich nie einem gebilde» ten Juden begegne, ohne mich gewissermaßen vor ihm zu schämen: indem ich lebhaft fühle, daß nicht wir zur Verachtung seiner Glaubensgenossen, wohl aber er zur Verachtung der unsrigen ein Recht hat."-Sehen Sie, sagte ich nun, so spricht ein Christ! ein herrlicher, ein fürstlicher Christ!! und er sagt ganz dasselbe, was ich früher behauptete, daß weit wesentlichere Güter als wir, Sie gewinnen, sobald in allen christlichen Staaten die Juden emancipirt sind. Wie von selbst lenkte sich das Gespräch auf die hier und da im deutschen Vaterlande viel zu weit - getriebene .Bekehrungs sucht, und beide Herren, L. und Z., sprachen ihr nicht nur das Wort, sondern rechneten es besonders den Regenten sehr hoch an, wenn sie die Anstalten zur Bekehrung der Andersgläubigen unterstützen und befördern. Ich wünschte, Sie wären hier gewesen, und hätten mit der Kraft Ihrer Beredsamkeit diese beiden Volkslehrer bekehren, oder besser belehren können. Ich in meiner Einfalt that weiter nichts, als daß ich sie fragte, ob׳ sie — Lutheraner wären? Und da sie die Frage vornehm bejahet hatten, rief ich ihnen eine Stelle aus Luthers Fürstenspiegel in's Gedä'chtniß, die den Nagel auf den Kopf trifft. ״Ein Fürst, nachdem er regieret, ist er nicht ein Christ, sondern ein Fürst. Die Person ist wohl ein Christ; aber das-Amt oder Fürstcnthum geht sein C h r ist e n t h u m nicht an. Denn, nachdem er ein Christ ist, lehret ihn das, daß er Niemand soll Leid thun. Er muß sagen: Meinen Christcnstand fasse ich gehen zwischen Gott und mir, das habe seinen Bescheid, wie ich gegen ihn leben soll." Viel war dagegen nicht zu sagen. Wir gingen bald auseinander; sie wünschten mir eine gute Nacht, und ich wünschte ihnen einen recht Hel» len und lichten Mittag.