Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang erster Band zweites Heft
- Article
- Ein kleiner Beitrag, die Israelitische Emancipations-Sache betreffend
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
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102 meine. Diese Überzeugung hat man dem Juden nicht immer beizubringen gewußt. Und doch ist er nicht mißtrauisch von Natur (eher und häufiger zuversichtlich und getrost), sondern er ist es durch seine Stellung geworden, weil ihm die Bürgschaft abging, welche die übrigen Staatsungehörigen für ihre Existenz besitzen, und worauf sich ihre Zuversicht und bürgerliche Festigkeit gründet. -- Die Garantie der Gesetze konnte dem Juden nur sehr unvollkommen erscheinen, und also nicht zum lebendigen Bewußtsein bei ihm werden, weil Niemand eine Garantie und. eine Fürsorge in Gesetzen anerkennen wird, deren Bestimmungen zum Lheil g e g e n ih n 'gerichtet sind, ohne daß es in seiner Wahl steht, sich ihren Nachtheilen zu entziehen. *) Die Gesetze aber erhalten bei denen, welche sie nur von der beengenden Seite kennen, niemals die nothwendige innerliche Begründung und die Affinität mit der Gesinnung, dem Leben und den Sitten, welche sie allein heilig und ehrwürdig machen. Die geringere Genugthuung, welche den. Juden die Garantie der Gesetze gewährt, mußte offenbar das sittliehe sowohl, als das ökonomische Interesse des Staates benachtheiligen. Man hat ihnen oft den Vorwükf geringerer Moralität gemacht, und einen Mangel an innerlicher Achtung vor den Gesetzen als Ursache angegeben. Der Vorwurf ist an sich nicht einmal gegründet; die Pietät, mit der sie an ihren Religionsgesetzen hängen, ließe vielmehr eine, das Gegentheil bezeichnende, Tendenz des Charakters voraussetzen; aber, gegründet oder ungegründet, die Veranlassung *) Denn Religion ist bei den wenigsten Menschen Sache der Wahl; man wird als Christ, Jude re. geboren; keinen trifft hierbei der Vorwurf geringerer Einsicht oder Gewissen^ Hastigkeit,