Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Fabel aus dem Talmud
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 426 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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426 der Küche des Gutsherrn, daß dort große Anstalten aus eine den andern Tag anzustellende Hochzeitsmahlzeit gemacht wurden. Er faßte nun den festen Entschluß, am andern Morgen zur Hochzeit sich einzusinden, und trat bald darauf mit seinem Herrn den Heimweg an. Nun traf sich's aber, daß auch bei seinem Herrn am andern Morgen viele Gäste geladen waren und große Anstalten in der Küche getroffen wurden; der Hund merkte sich's und nahm sich vor, um nicht eine von beiden Mahlzeiten zu verlieren, schnell hinüber nach dem Nachbargute zu wandern, imv dort vom Überflüsse zu genießen und dann schnell nach Hause zur heimathlichen Küche zu kehren. Allein er hatte nicht die Weite des Weges berechnet, und kam kurz nach der Mahlzeit an, kein Gast war mehr zugegen, alles, Küche und Keller, verschlossen und keine Spur von irgend einem fetten Bissen für ihn zu sehen. Und als er sich bei den Hausbewohnern durch Bellen bemerkbar machen wollte, dachten sie, er sei seinem Herrn vorsätzlich entlaufen, prügelten ihn tüchtig durch und jagten ihn zur Thüre hinaus. Zm schnellsten Laufe eilte er knurrend nach Hause, hoffend, daß ihm dort sicherlich sein Theil aufbewahrt sein werde, allein zu seinem größten Schrecken brach die Nacht herein, und erst um Mitternacht traf er vor dem verschlossenen Hause seines Herrn ein, wo alles fest schlief und Niemand seinen Ruf um Einlaß hörte. Des Morgens wurde seine Abwesenheit mit einer tüchtigen Tracht Prügel bestraft, und von Hunger, Durst und Prügeln entkräftet, sank er ermattet und halb todt