Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Einweihung der großen Synagoge zu Paris
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 10)
- Language
- German
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Brüder, eure Gedanken und die weinigen sind fern, uns jemals diesen bittern Borwurf zuzuziehen. i- Israeliten! Beim Eintritte in diesen Tempel, muß ein jeder von uns dem Allmächtigen seine völlige Unter« würfigkeit zollen, und im voraus seine Leidenschaften auf seinem Altar opfern. Es hieße wahrlich das Haus des Ewigen beflecken,, wenn man es betritt, ehe man dieses Sühnopfer gebracht; vergebens würden wir dort die Nclj- Lion suchen, wir selbst müssen sie dahin bringen; denn die Frömmigkeit der gläubigen Versammlung entstehet nur von der Frömmigkeit eines jeden Einzelnen, . ,, Wir können es nicht genug wiederholen. Fern von uns sei diese Frömmigkeit in dem äußerlichen Gottesdienst, der nicht die Wirkung des innern Gottesdienstes ist. Diese Frömmigkeit gehört nur den Scheinheiligen. Welch ein moralisches Ungeheuer ist ein Scheinheiliger! Sein Gesicht ist verhüllt mit der Larve der Heiligkeit, und sein Busen verbirgt eine verderbte Seele! Sein Mund spricht nur vom Gewissen und sein Herz ist nur mit Gleichgültig-- keit und׳ Verachtung gegen alles was heilig ist, gefüllt; geschmückt mit dem Mantel der Frömmigkeit, zeigt er sich als den Verehrer Gottes / um die Menschen zu täuschen׳. 'Siehst er sich in einer Handlung überrascht, -die seinen verhaßten Eharcikter verrathen kannso hat er die List und die Unverschämtheit sie;$u rechtfertigen; wenn er seinest Nächsten verlaumdet, giebt er vor: er ziehe gegen das Laster' lös; wenn er diejenigen verfolgtdie er haßt) richtet er die Feinde Gottes; der Tempel und die anderst religiösen Vereinigungsörter sind ihm nützlich/um daselbst die Nolle des Scheinheiligen zu spielen.- £>, wer könnte