Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Genien des Lebens
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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■ ׳ י 290 Fühlt er von seinem Arme sich umwunden, Sieht er das Heiligste sich aufgethan; Nun schlagen ihm des Lebens schönste Stunden! Was er an dieses Engels Brust gefunden, Nicht Täuschung ist's, kein blendend schöner Wahn Ach! könnte Liebe grausam uns betrügen, So müßte ja der schönste Glaube lügen. Noch giebt's ja Engel, freundlich das zu schützen, Was sorgsam dieser Genius erbaut! Dort hält Vertrauen eu'res Tempels Stützen, Hier sehet ihr die milde Nachsicht sitzen _ Und die Geduld, die traget ohne Laut : Wo solche Wächter euer Tempe hüten, Streift kein Orkan die schön enthüllten Blüthen. Und auf den rauh'sten, stellten Klippenhöhen, Wenn scheiternd schon der Kahn zu sinken droht, Da sichest du den Seraph: Freundschaft stehen. In seiner Hand die Siegesfahne wehen Und durch die Brandung führen kühn das Book. O jede Frucht, die schmachtend du willst pflücken, Wird doppelt dich aus seiner Hand entzücken. Und drücket dich des heißen Mittags Schwüle, . Und sind'st du nirgends, was das warme Blut In den erschlafften Adern stark' und kühle : Dann reichet dir im drängendsten Gewühls Den kräst'gen Labetrunk der Netter: M u t h! Er wappnet siegestrunken deine Rechte, Du mußt hindurch, wie auch die Hölle fechte!