Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über einige falsche Ansichten in Rücksicht auf die Tendenz der Erziehung
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 7)
- Language
- German
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125 ■״י־’-- Form sich darzustellen, und von dieser die Maske borgt, die Tugend aber ehrt,sich selbst, da sie verschmäht anders zu scheinen als sie ist, und um so liebenswürdiger ist, je mehr sie es verschmäht bloß zu scheinen. Laß deinen Fuß — so belehrt uns unser Text — in geraden Schritten gehn, so,gehst du ohne Wanken. Hüten wir uns ferner, wir, denen als Eltern oder Lehrer die Bildung der Jugend obliegt, hüten wir unß, die Blüthenzeit cher uns anvertrauten zarten Pflanze durch Treibhausreife abzukürzen, und so , wie den Sommer, so den Winter herbeizurufen vor der Zeit. Jene Bielleserei und Bicllehrerei, welche den zarten Knaben muthwillig seinem Kreise entrückt, jene alberne Schulfuchserei, die den tändelnden Knaben zum bartlosen, Manne, und so den frohen Jüngling zum abgelebten Greise macht;, sie, welche dem zarten Kinde , nach aufmerksam vollbrachter Unterrichtszeit die lärmende Erholung, unter Gottes freiem Himmel' im Winter auf dem Eise, ,im Sommer auf dem ',grünen Rasen mißgönnt, und ihn lieber abermals mit todten Zeichen martert, die ihn ewig und ewig schöpfen läßt aus dem,stehenden Meere der Buchgelehr-- samkeit und nie aus der immer regen und immer frischen Quelle der lebendigen Natur, der herrlichen Gotteswelt. ■ Sie mag wohl zierliche Puppen bilden, die der Eintagst fliege gleich, bald nach der Geburt schon entwickelt, aber auch wie sie bald nach der Geburt schon verblüht und Hingewelkt sind> aber nimmer wird sie Männer erziehen, nimmer Jünglinge, denen Thatkraft im Busen glüht, nimmer Kinder, welche noch als Greise nicht verlernt haben, kindlich zu sein. So aber singt der heilige Sgnger :